Willich

Christian Pakusch (CDU)

Christian Pakusch2

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Willich ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Aufgrund der qualitativen Wirtschaftsstruktur mit Handel, Handwerk und innovativem Mittelstand haben wir auch in den nächsten Jahren Wachstumspotential. Dafür benötigen wir eine ganzheitliche Wirtschaftspolitik, die alle Bereiche: Bildung, Forschung, Personalentwicklung und Digitalisierung – zusammen betrachtet. Konkret: Unsere Unternehmen brauchen die Möglichkeit zum Expandieren, die Erreichbarkeit und die Mobilität in den Gewerbegebieten müssen verbessert werden. Der digitale Ausbau, ein Leerstandsmanagement, mehr Service für Unternehmer sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen ganz oben auf meiner Agenda.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Willich Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Die Stadt Willich hat schnell und unbürokratisch reagiert. Zahlreiche Abgaben wurden ausgesetzt, um die Unternehmen zu entlasten. Nun gilt es, die Folgen der Krise zu bewältigen. Die Dimensionen, insbesondere die der finanziellen Auswirkungen, sind noch nicht absehbar. Wir brauchen für unsere Stadt einen Corona-Schutzschirm, der die Bundes- und Landesmaßnahmen um einen „Willicher Faktor“ ergänzt bzw. erweitert. Entscheidend ist, dass dieses Konjunkturprogramm die Arbeitsplätze erhält und nachhaltig sichert. Bei der konkreten Umsetzung muss eine Expertenkommission eingesetzt werden. Dazu gehören aus meiner Sicht Vertreter der IHK, der Handwerkskammer und Akteure aus der Praxis. Die Corona-Krise hat aber auch gezeigt, dass sie uns Chancen ermöglicht. Gerade im Bereich der Digitalisierung sind seitdem viele Verwaltungsprozesse online möglich. Diesen „Schwung“ müssen wir dazu nutzen, Bürokratie abzubauen und Prozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen. Der Rat der Stadt Willich hat sich zur Aufgabe gemacht ein Investitionsprogramm in Höhe von 65 Millionen Euro zu realisieren. Eine richtungsweisende Entscheidung. Dass Unterstützung aber in beide Richtungen möglich ist, haben viele Gewerbebetriebe eindrucksvoll bewiesen. Durch Spenden oder die Bereitstellung von Hilfsmitteln wurde den in Not geratenen Bürgern unserer Heimat geholfen. Wir Willicher halten zusammen.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Ein Grundgedanke von mir lautet: Transparenz schafft Akzeptanz. Aus diesem Grunde müssen wir zusätzlich neue Plattformen für Kommunikation und Information schaffen. Diese können digital oder vor Ort sein. Dazu benötigen wir in und um Willich überall schnelles Internet und Glasfaserausbau. Die Willicher Unternehmer, aber auch unsere Bürger, müssen die Möglichkeit haben, untereinander und mit der ganzen Welt online und schnell kommunizieren zu können. Als Bürgermeister der Stadt Willich werde ich außerdem ein Unternehmertreffen einführen, bei dem es um die Lösung von lokalen Problemen gehen soll. Der regelmäßige Austausch zwischen Verwaltung, Politik und Wirtschaft ist für mich ein zentraler Baustein, um unsere Stadt weiterzuentwickeln.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Wer es versteht, Ökologie und Ökonomie in die richtige Balance zu bringen, wird eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft gestalten. Wir brauchen eine kluge und nachhaltige Stadtplanung, bei der Mensch und Natur im Einklang leben können – insbesondere bei der Nachverdichtung. Die Idee von autofreien bzw. emissionsarmen Quartieren soll weiter vorangetrieben werden. Klimaneutralität ist das erklärte Ziel, aber sie kann nicht von den Kommunen allein erreicht werden. Alle Ebenen müssen zusammenwirken. Dabei gilt für mich: Anreize statt Verbote. Beispielsweise durch die Förderung der E-Mobilität oder energetische Gebäudesanierung. Viele Unternehmen sind in dieser Thematik bereits sehr aktiv, hierbei müssen wir unterstützen und die Ideen bündeln, um sie gemeinschaftlich umzusetzen. Das Bewusstsein der Unternehmen erreicht man, indem man ein „Wir-Gefühl“ schafft und die Entscheidungsträger mit einbezieht und begeistert. Unser Informationsangebot zum Klimaschutz muss erweitert werden. Ein städtisches Förderprogramm zur Dachbegrünung ist nur eine praktische Maßnahme, die wir umsetzen werden. Fassaden- und Dachbegrünung werden nicht nur als Beitrag zum ökologischen Bauen angesehen, sondern tragen auch zur Verbesserung des Stadtklimas bei. Nachhaltige Kommune bedeutet aber auch, dass man bei Umweltfragen die Landwirtschaft und den Tierschutz intensiv mit einbindet.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Die städtische Weiterentwicklung unserer Heimat ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dafür eine effiziente, bürger- und wirtschaftsorientierte Stadtverwaltung benötigen, denn sie ist die Basis für eine erfolgreiche Stadt. Die Verwaltung muss gesamtstädtisch denken und ihr Handeln an strategischen Zielen, aktuellen Handlungserfordernissen und den künftigen finanziellen Ressourcen ausrichten. In der Vergangenheit haben wir angestrebt eine „Mittelstandsorientierte Verwaltung“ zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir klare Regelungen von Zuständigkeiten, zeitnahe Bearbeitung von Flächenanfragen, Genehmigungen und Beschwerden. Deshalb werde ich mein besonderes Augenmerk auf das Wohlergehen aller Mitarbeiter in der Verwaltung legen. Sie sind das Fundament des Erfolges unserer Stadt. Gute Arbeitsbedingungen, Home-Office, Gesundheitsmanagement und die Perspektive bei Fortbildung und persönlicher Entwicklung sind für mich zentrale Voraussetzungen, um das Personal bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Ein weiterer Bereich der Verwaltung ist die Wirtschaftsförderung. Sie ist Dienstleister, Kümmerer und ein wichtiges Bindeglied zu den Unternehmen. Damit sie effektiv und effizient agieren kann, haben wir das Team gerade mit weiteren Personalstellen ausgebaut. Eine Investition in die Zukunft.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Willich hat vier Stadtteile, jeder mit einem eigenen Charme. Meine Maxime ist: Eine Innenstadt muss leben, denn lebendige Innenstädte sind enorm wichtig für die Aufenthaltsqualität der Bürger und das soziale Miteinander. Dafür braucht es einen guten Branchenmix aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung. Die Katharinen-Höfe sind nach dem neuen Marktplatz und dem Kaiserplatz ein herausragendes Projekt. Damit schaffen wir mitten im Herzen von Alt-Willich ein neues Quartier, wo Wohnraum für alle Altersstrukturen, Verweilqualität und Einkaufsmöglichkeiten realisiert werden. Des Weiteren werde ich mich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass wir in allen Stadtteilen einen Vollsortimenter haben, denn sie sind Frequenzbringer für unsere Innenstädte. Schon heute pflege ich die intensive Kommunikation mit Werberingen und Werbegemeinschaften, sie ist für mich elementar. Meiner festen Überzeugung nach sind Veranstaltungen ein wichtiger Faktor für die Begegnung der Menschen innerhalb einer Stadt. Neben dem Feierabendmarkt auf dem Marktplatz, dem „neuen Wohnzimmer“ in Willich, möchte ich gerne weitere Events, wie z.B. einen „jungen Markt“ im Stadtgebiet ermöglichen und die Durchführung der etablierten Veranstaltungen, wie Stadt- und Schützenfeste durch unbürokratische Genehmigungsverfahren für das Ehrenamt erleichtern.

7. Die Verkehrssituation an der L26 ist angespannt. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie diese Situation sowie die allgemeine kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Die Verkehrssituation an der L26 ist nicht nur angespannt, sondern in der heutigen Form weder für Arbeitgeber noch für Arbeitnehmer akzeptabel. Alle Akteure müssen endlich an einem Strang ziehen, damit die Situation verbessert und der Verkehr entlastet wird. Der Ausbau der Anschlussstelle Münchheide ist leider auch ein Negativbeispiel dafür, warum Unternehmer und Bürger mit dem Handeln von Verwaltung und Politik hin und wieder unzufrieden sind. Es muss uns gelingen, Prozesse zu optimieren, zu beschleunigen und transparent zu erklären, wenn es bei der Umsetzung Probleme gibt.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Wir müssen Verkehr neu denken. Es braucht endlich ein ganzheitliches Konzept, das die Region einbindet, Bund & Land in die Pflicht nimmt, jetzige und künftige Verkehrsmittel zulässt und durch Anreize statt durch Verbote funktioniert. Dafür gilt es, Infrastruktur und Bau- und Planungsrecht zu schaffen. In Willich haben wir uns bereits auf den Weg gemacht und schreiben unseren Masterplan Mobilität fort. Um den Verkehr nachhaltig zu verflüssigen, benötigen wir meiner Meinung nach technischen Fortschritt und attraktive Alternativen. Ein Mobilitätsmix bestehend aus Carsharing, Leihfahrrädern und einem flächendeckenden ÖPNV sind nicht nur unter klimapolitischen Gründen zwingend notwendig. Des Weiteren muss unser Radwegenetz ausgebaut werden. Radfahren in Willich muss sicher sein und Freude machen. Als Bürgermeister werde ich die optimalen Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel für die vielen Arbeitnehmer in unseren Gewerbegebieten erleichtert wird. Dazu gehört auch die die Verlängerung der S28. Gemeinsam mit dem Kreis Viersen, der Stadt Mönchengladbach und der Stadt Willich werden wir einen regionalen Konsens finden, dass die Regiobahn nicht nur ein unvollendetes Prestigeprojekt bleibt, sondern endlich Realität wird.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für Ihre Kommune?

Unsere Gewerbegebiete sind eine Erfolgsgeschichte. Sie stehen für den Wohlstand unserer Stadt. Mit Münchheide V wird das Gewerbegebiet um rund 18 Hektar erweitert. Flächen, die wichtig für den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Gewerbes sind. Das Stahlwerk und Münchheide I-IV sind nahezu ausverkauft. Entscheidend ist, dass wir den Willicher Unternehmen eine Perspektive bieten, zu expandieren. Und zwar hier vor Ort! Natürlich haben wir bei der Frage des „Flächenverbrauches“ einen Konflikt: Klimawandel und Flächenversiegelung müssen gut abgewogen sein. In Willich pflegen wir aber eine nachhaltige Ansiedlungspolitik. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und ein guter Branchenmix haben höchste Priorität.

10. Wie möchten Sie die Realisierung von Münchheide V und VI in Willich vorantreiben?

Wer die Entwicklung von Münchheide V stoppen oder sogar verhindern will, wird der Stadt Willich einen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Die Flächen für die Weiterentwicklung sind gekauft und viel Geld wurde bereits in die Planung investiert. Hier steht die Glaubwürdigkeit der Willicher Politik auf dem Spiel. Bei der Gestaltung des geplanten Gewerbegebietes müssen neue und innovative Wege beschritten werden und natürlich sollten im Voraus die Verkehrsfragen transparent und ehrlich geklärt sein. Neben der Schaffung neuer Gewerbeflächen werden wir aber auch alte Gewerbeflächen neu und zukunftsorientiert entwickeln.

11. Wie bewerten Sie die Ideen zur Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich am Flughafen Mönchengladbach?

Die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes auf den Flächen des Verkehrslandeplatzes ist eine große Herausforderung und Chance zugleich. Im Gespräch mit den Kollegen aus Mönchengladbach haben wir über die Entwicklung eines Innovationsparks diskutiert. Die Lage der Flächen und die Infrastruktur sind optimale Voraussetzungen für ein interkommunales Gewerbegebiet. Mit einem direkten Haltepunkt der Regiobahn wäre auch eine perfekte Anbindung an den ÖPNV gegeben. Die Verwirklichung des interkommunalen Gewerbegebietes wäre zugleich ein Signal für die regionale Zusammenarbeit, die ich mit unseren Nachbarstädten intensivieren möchte. Sie ist eine wichtige Handlungsalternative, um Synergieeffekte zu nutzen; ohne die eigene Identität zu verlieren und wäre Ausdruck kommunaler Selbstverwaltung und verantwortungsbewusster Umgang mit personellen und finanziellen Ressourcen. Es gibt viele gute Gründe, gemeinsam und partnerschaftlich die vorhandenen Aufgaben zu erfüllen und den erwünschten oder erforderlichen Standard zu erhalten oder zu erhöhen. Wir müssen in unserer Region enger zusammenrücken.

12. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Willich in den kommenden fünf Jahren?

Wir haben im vergangenen Jahr gegen den Widerstand anderer Parteien, den Hebesatz der Gewerbesteuer um 5 Punkte reduziert und liegen nun bei 439 Prozentpunkten. Ein klares Signal an unseren Mittelstand und unsere Wirtschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir die aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise analysieren und hieraus Handlungsempfehlungen ableiten müssen. Mein Ziel ist es, die Gewerbesteuereinnahmen nachhaltig zu sichern, denn sie sind das Fundament unseres Haushaltes und die finanzielle Grundlage für viele freiwillige Ausgaben. Damit unsere Unternehmen auch in der Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sind, brauchen sie Planungssicherheit und die tatkräftige Unterstützung von Stadt und Politik.

Dietmar Winkels (SPD)

Dietmar Wahlkampf fs-37

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Die drei wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die ich als Bürgermeister in den ersten fünf Jahren umsetzen werde, sind:

  • Auflegung eines starken kommunalen Förderprogramms für Willicher Gastronomen, Kneipiers und Hoteliers, diese sind besonders hart von der Corona-Krise betroffen.
  • Hochmoderner Ausbau unserer Infrastruktur: Willich soll die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands werden. Gewerbegebiete und den Schiefbahner Ortskern möchte ich durch die Nordumgehung entlasten. Der Breitbandausbau ist längst überfällig und wird von mir endlich flächendeckend eingeführt werden.
  • Stärkung der Wirtschaftsförderung durch aktive Ansiedlungspolitik, insbesondere möchte ich innovative Start-ups nach Münchheide holen und halten.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Willich Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Restaurantbetreiber und Kneipiers sind besonders hart von den Folgen der Coronakrise getroffen. Ich möchte die Gaststätten- und Kneipenkultur in Willich mit einem städtischen Förderprogramm retten. Deshalb haben meine Partei und ich bereits die Entwicklung eines unbürokratischen Förderprogramms für Restaurants, Gaststätten, Kneipen, Bars, Hotels und Pensionen beantragt. Dabei soll auch festgestellt werden, welche Förderhöhe sinnvoll und durch die Stadt bezahlbar ist. Potenzielle Förderempfänger sollen Nachweise erbringen müssen, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Zudem werde ich mich als Bürgermeister auf Landesebene für eine Ausweitung der Finanzhilfen für Unternehmen und Selbstständige einsetzen.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Digitalisierung muss eine unserer Prioritäten werden. Dafür werde ich mich einsetzen: Vollständige Digitalisierung aller Behördengänge, flächendeckender Breitband- und kostenloser WLAN-Ausbau in Willich sowie die aktive Förderung des Home-Office. Falls nötig: Städtische Funkmasten für vollständige Mobilfunknetzabdeckung.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Indem wir Willich zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands machen, werden wir die Pendler unterstützen und ihnen einen gesundheitsfördernden und entspannten Weg zur Arbeit bereiten. Davon werden auch die Arbeitnehmer profitieren. Zudem möchte ich Münchheide mit einer Wasserstofftankstelle ausstatten. Unser größtes Gewerbegebiet muss für die Zukunft bereit sein.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Die vollständige Digitalisierung aller Behördengänge wird auch den Unternehmen zugute kommen. Zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Willich tragen aber auch die sozialen Leistungen der Stadt bei. Als Bürgermeister werde ich mich für die beitragsfreie Kita, OGS, Tagespflege und 8-1-Betreuung einsetzen. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein. Die Höhe der Kitabeiträge ist bei jungen Eltern schon jetzt oft ein wichtige Frage, bei der Wahl ihres Wohnsitzes. Deshalb wird die Beitragsfreiheit unsere Stadt als Wirtschaftsstandort stärken.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Die Steigerung der Attraktivität erreichen wir durch flankierende Maßnahmen, wie z. B. durch eine barrierefreie Infrastruktur und bezahlbare Mieten. Konkret werde ich mich als Bürgermeister auch für ein intelligentes Parkleitsystem sowie ausreichende Fahrradständer und Ladesäulen einsetzen.

7. Die Verkehrssituation an der L26 ist angespannt. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie diese Situation sowie die allgemeine kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Ich möchte Willich zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands machen. Damit retten wir unsere Stadt nicht nur vor dem Verkehrskollaps, sondern leisten auch einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Schiefbahn möchte ich durch die Nordumgehung vom Verkehr spürbar entlasten.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Die Erreichbarkeit werden wir nur durch Investitionen in unsere Infrastruktur weiterhin gewährleisten können. Hierbei müssen wir auch rechtzeitig auf zukunftsfähige Technologien setzen. Deshalb werde ich mich für die Einrichtung einer Wasserstofftankstelle in Münchheide einsetzen.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für Ihre Kommune?

Mit mir wird es keine grenzenlose Ausweitung unserer Gewerbegebiete geben – es ist auch überhaupt nicht möglich, da unsere Fläche begrenzt ist. Des Weiteren schaden versiegelte Flächen unserer Umwelt. Deshalb möchte ich zukünftig primär innovative Start-ups mit geringem Flächenverbrauch in unserer Stadt ansiedeln.

10. Wie möchten Sie die Realisierung von Münchheide V und VI in Willich vorantreiben?

Diese Gewerbegebiete sind bereits beschlossen. Bei der Planung muss darauf geachtet werden, dass sich die Verkehrssituation nicht noch weiter verschlechtert.

11. Wie bewerten Sie die Ideen zur Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich am Flughafen Mönchengladbach?

Dieser Idee stehe ich prinzipiell offen gegenüber, verweise aber auf meine Antwort Nr. 9.

12. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Willich in den kommenden fünf Jahren?

Nein.

Claudia Poetsch (Die Grünen)

Claudia Poetsch - Die Grünen

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Ich mache mich stark für:

  • eine aktive Förderung ökologischer und nachhaltiger Unternehmensausrichtungen mit dem Ziel der Resilienzförderung, damit unsere Wirtschaft bei künftigen Krisen weniger betroffen und anfällig ist.
  • die qualitative und quantitative Stärkung unserer örtlichen Wirtschaftsförderung. Sie muss sich noch intensiver vernetzen, Partner auf Augenhöhe sein und zu einer Querschnittsaufgabe innerhalb der Verwaltung entwickelt werden.
  • die Einbindung unserer Gewerbegebiete in ein attraktives, schienengebundenes ÖPNV-Netz. Die Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird künftig noch deutlicher hiervon abhängen.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Willich Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Die aktuelle Situation ist für alle neu und in ihren Auswirkungen nur schwer einschätzbar. Eine Vollbremsung unserer Wirtschaft nach einer langen konjunkturellen Hochphase hat noch niemand erlebt. Besondere Zeiten brauchen besondere Maßnahmen. Vor dem Hintergrund sehe ich die Notwendigkeit ein multiprofessionelles Beratungsangebot für unsere ortsansässigen Unternehmen zu schaffen. Konjunkturbelebende Maßnahmen von Bund und Land stellen nicht für jedes Unternehmen den geeigneten Rettungsschirm dar- individuelle Problemstellungen bleiben oft unberücksichtigt. Gleichzeitig sind viele Privatinitiativen zur Rettung kleiner Unternehmer wegen fehlender Koordination in ihrem Wirkungsgrad unter ihren Möglichkeiten geblieben. Als Bürgermeisterin und oberste Wirtschaftsförderin in Willich werde ich mich dafür einsetzen, dass wir vor Ort ein breites Beratungs-, Koordinierungs- und Unterstützungsangebot schaffen, dass genauso individuell ist wie die jeweiligen Geschäftsmodelle. Ziel muss sein, dass unsere Unternehmen schnell  wieder Tritt fassen und ihre Stärke zurückgewinnen. Das Thema Digitalisierung wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Das Angebot soll sich an mittelständische Unternehmen genauso wie an Handwerksbetriebe, Gastronomie, Einzelhandel und Solo-Selbständige richten. Die koordinierende Rolle sehe ich bei unserer örtlichen Wirtschaftsförderung.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

In Willich sind wir, was die großen Gewerbegebiete betrifft, durch die Anbindung an das Glasfasernetz bereits gut aufgestellt. Wichtig wird sein, dass das gesamte Stadtgebiet lückenlos an das Glasfasernetz angeschlossen wird. Ich werde die Aufgabe als Teil der Daseinsvorsorge annehmen und sehe Politik und Verwaltung in der Pflicht den flächendeckenden Ausbau voranzutreiben. Jeder Haushalt muss Anschluss an eine schnelle Internetverbindung erhalten. Viele kleine Unternehmen mit zum Teil viel Potential haben ihren Firmensitz nicht in einem Gewerbegebiet. Aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung von Unternehmen werden in Zukunft verstärkt auf  Homeoffice und Telearbeit setzen. Sie alle sind auf eine schnelle und stabile  Internetverbindung  angewiesen. Ergänzend hierzu ist ein stabiles und flächendeckendes Mobilfunknetz sowie freies W-LAN im Stadtgebiet ein wichtiges Projekt für einen zukunftsfähigen Wirtschafts- und Wohnstandort.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Mit dem Ratsbeschluss „Global Nachhaltigen Kommune“ hat sich die Stadt Willich bereits zur Erreichung der Klima-Neutralität bis zum Jahr 2030 verpflichtet und den Grundstein für den ökologisch-nachhaltigen Transformationsprozess in Willich gelegt. Die frühzeitige aktive Einbindung unserer Wirtschaftsunternehmen spielt dabei eine elementare Roll. Viele Unternehmen in NRW sind auf dem Gebiet schon sehr viel weiter als die Politik und gerne bereit ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen. Beratung erhält man auch von den Stadtwerken Willich, durch die städt. organisierte Energieberatung und vielen weiteren Verbänden und Organisationen. Ich bin davon überzeugt, dass zunächst in kompetenter Beratung und Vernetzung die wichtigsten Unterstützungsleistungen zu sehen sind, die von der örtlichen Wirtschaftsförderung zusammen mit der auszubauenden Umwelt- und Energieberatung geleistet werden kann. Eigene Förderpläne hinsichtlich energetischer Optimierung sind vor dem Hintergrund der weitläufigen Förderlandschaft durch Landes-, Bundes- und EU-Programme zu prüfen. Aufgabe von Verwaltung und Politik bleibt, auch die Gewerbegebiete ökologisch und nachhaltig zu entwickeln. Dazu gehören Grünanlagen, Planung und Realisierung möglichst schienengebundener ÖPNV-Anbindungen, sowie die Realisierung eines durchgehenden Radwegenetzes mit betriebsnahen Radunterstellmöglichkeiten.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Die Verwaltung muss Partner für die Unternehmerinnen und Unternehmer am Ort sein. Das bedeutet für mich Kooperation auf Augenhöhe. Zentrale Anlaufstelle für Unternehmen muss eine kompetente Wirtschaftsförderung sein. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die örtliche Wirtschaftsförderung qualitativ und quantitativ verstärkt wird, um verstärkt lösungsorientierte Beratungs- und Vernetzungsarbeit leisten zu können. Die Wirtschaftsförderung muss noch intensiver zu einer Querschnittsaufgabe innerhalb der Verwaltung entwickelt und in Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Die Verwaltung ist aber auch Dienstleister. Meine Bestrebung ist, Verwaltungsleistungen schnellstmöglich auch digital anbieten zu können. Insgesamt müssen Bearbeitungszeiten auf einen angemessenen Zeitraum beschränkt sein. Verwaltungsentscheidungen müssen transparent gemacht werden.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Die Entwicklung und vor allem Belebung unserer Ortskerne bedarf in den kommenden Jahren einer besonderen Aufmerksamkeit. Lebendige Ortskerne sind nach meiner Überzeugung Grundlage für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe. Als Sofortmaßnahme werde ich mich für ein Beratungs- und Leerstandsmanagement im weitesten Sinne einsetzen. Gerade im Einzelhandel und der Gastronomie haben die Corona-Beschränkungen besonders verheerende und unübersehbare Folgen mit sich gebracht, die zunächst individuell bearbeitet werden müssen. Hier muss die Verwaltung spürbar Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig müssen unsere Einzelhändler und Gastronomen verstärkt in Richtung Digitalisierung beraten und unterstützt werden, um das jeweilige Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen. Dazu gehört für mich auch eine Handelsplattform, die von Seiten der städt. Wirtschaftsförderung administriert, gepflegt und beworben werden muss. Darüber hinaus müssen wir in Willich über ein starkes Förderkonzept nachdenken, um den Sprung in die Selbständigkeit zu erleichtern. Die Förderung kultureller Angebote in allen Ortsteilen sowie eine Schwerpunktförderung integrativer Betriebe wird sicherlich neuen Schwung und Vielfalt in die Ortskerne bringen.

7. Die Verkehrssituation an der L26 ist angespannt. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie diese Situation sowie die allgemeine kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Die Verkehrssituation ist längst nicht mehr nur an der L26 angespannt. Ein Konzept, das zu einer echten Verkehrswende führt, muss man sicherlich in mehreren zeitlichen Dimensionen und für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer denken. Zunächst sehe ich die Notwendigkeit Bedarfe bei den Einpendlern abzufragen, um Lösungen dann gemeinsam mit Arbeitgebern, den Verkehrsbetrieben und natürlich mit den Betroffenen zu erarbeiten. Willich ist inzwischen zu Berufsverkehrszeiten massiv vom Durchgangsverkehr durch Ausweichverkehre aufgrund der überlasteten Autobahnen A 44 und A 52 betroffen. Hierzu werde ich mich interkommunal engagieren und für die Verlängerung der S28 bis nach Viersen einsetzen. Ebenso steht die Wiederaufnahme einer Zug-Direktverbindung vom Anrather Bahnhof nach Düsseldorf Hauptbahnhof auf meiner Agenda. Innerorts werde ich auf die Realisierung eines durchgehenden Radwegenetzes und gut ausgestatteter und sozialräumlich bestens verteilter Radunterstellmöglichkeiten drängen. Die Initiierung eines innerstädtischen Ring-Bus-Verkehrs muss geprüft werden. Langfristig muss Willich an ein elektrifiziertes schienengebundenes Verkehrsnetz angebunden werden. Die Schienentrasse über Willicher Stadtgebiet Schiefbahn – Krefeld sollte ebenso wiederbelebt werden wie eine Verbindung Meerbusch – Tönisvorst. Hier sollten künftig automatisiert fahrende S-Bahnen („Digitale S-Bahn Willich“) pendeln.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Wir benötigen sehr dringend aus unterschiedlichsten Gründen ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept. Die Interessen aller Verkehrsteilnehmer müssen in angemessener Weise berücksichtigt werden, wobei die angesiedelten Nutzungen und die sich daraus ergebenden besonderen Anforderungen einzubeziehen sind. Eins steht dabei allerdings für mich heute schon fest: Den Staus immer weiter Straßen hinterher zu bauen ist weder nachhaltig noch ökologisch vertretbar. Die Zielformulierung für einen echten Paradigmenwechsel lautet: Mehr Mobilität mit weniger Verkehr!
Mein Weg zum Ziel geht über Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und vor allem eine klimafreundliche Umsetzung durch Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Das funktioniert aber nur mit einem deutlich verbesserten ÖPNV-Angebot in Kombination mit einem Ausbau der Radinfrastruktur.
Auf diesem Weg wird eine spürbare Entlastung auf unseren Straßen und Autobahnen durch reduzierten Pendler- und Durchgangsverkehr, aber auch die Reduzierung von klima- und umweltschädlichen Immissionen erreicht werden können. Daran wird deutlich, dass Verkehrsinfrastruktur interkommunal abgestimmt und geplant werden muss. Kirchturmdenken ist, wie bei so vielen anderen Themen, nicht zukunftsfähig.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für Ihre Kommune?

Die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen muss wohl überlegt sein. Ungebremstes Wachstum bedroht nicht nur die Natur, sondern auch die Identität unseres ländlichen Raums. Wir müssen intelligente Strategien entwickeln, um Unternehmen genügend Raum für Wachstum und Innovation zu bieten. Das heißt für mich, flächensparende Gewerbeentwicklung – mehr Klasse statt Masse! Hierfür müssen wir ein „Nachhaltiges und ressourcenoptimiertes Gewerbemanagement-Konzept“ unter Einbeziehung des Planungs- und Baurechts erstellen. Es muss zunächst um Nachverdichtung, Schließen von Baulücken, Umgestaltung von Parkflächen, Aufstocken von vorhandenen Gebäuden sowie die Förderung von zwischenbetrieblichen Kooperationen zur gemeinsamen Flächennutzung wie z. Bsp. Parkraum, Konferenzräumen, Kantinen etc. gehen. Aber auch die Nachnutzung von bestehenden Gewerbearealen und Gewerbebauten muss aktiv gefördert werden. Heute werden ungenutzte Gewerbeimmobilien überwiegend zur Vermietung angeboten und passen oft nicht zu den speziellen Bedürfnissen eines anderen Betriebs. Diese Leerstände zu beseitigen wird eine der großen Herausforderung für ein künftiges Gewerbemanagement sein. Bei all diesen Überlegungen bleibt aber unverändert die Forderung nach einer deutlich verbesserten ÖPNV-Anbindung, die genauso mitgedacht werden muss wie eine arbeitsplatznahe Kinderbetreuung und mehr Aufenthaltsqualität.

10. Wie möchten Sie die Realisierung von Münchheide V und VI in Willich vorantreiben?

Der Realisierung von Münchheide V und VI muss vor allem ein valides Verkehrskonzept und ein nachhaltiges und ressourcenoptimiertes Gewerbeflächenmanagement vorangehen.
Ohne trag- und zukunftsfähige Verkehrslösung und Flächenoptimierung wird es mit mir keine Gewerbegebietserweiterung geben. Das bedeutet konkret: Erst der Einstieg in Planungen für elektrifizierte Schienenanbindungen Krefeld – Schiefbahn und Meerbusch – Tönisvorst. Busverbindungen sind als Übergangslösung unter Umständen akzeptierbar, jedoch hat sich gezeigt, dass diese nicht stabil und deshalb von Pendlern nicht als verlässliche Alternative angenommen werden.
Der Umgang mit der endlichen Ressource „Fläche“ ist für mich zentrale Aufgabe einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Bei allen drängenden Forderungen muss die Minimierung des Flächenverbrauchs durch Flächenrecycling, Innenentwicklung, Nachverdichtung und Flächeneffizienz im Vordergrund stehen. Wir müssen für neue Ideen offen sein und querdenken. Es gibt heute schon einige Best-Practice-Beispiele, an denen wir uns orientieren können und genauso viele Negativbeispiele, die uns als Mahnung dienen müssen.
Flächensparen ist kein Selbstzweck. Es gibt eine Vielzahl von ökologischen, stadtentwicklungspolitischen, sozialen und ökonomischen Gründen, auf ein ungebremstes Siedlungswachstum zu verzichten, um als Stadt Willich zukunftsfähig zu sein.

11. Wie bewerten Sie die Ideen zur Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich am Flughafen Mönchengladbach?

Grundsätzlich stehe ich interkommunalen Projekten sehr positiv gegenüber. Die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes hat sicherlich viele Vorteile aufgrund zahlreicher Synergien gegenüber Stand-Alone-Standorten. Aber auch hier ist mir wichtig, dass die Gewerbeflächenentwicklung nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch ökologisch und nachhaltig erfolgt. Die Berücksichtigung der Erfordernisse des Klimawandels müssen in einer nachhaltigen Gewerbegebietsplanung oberste Priorität haben. „Green Economy“ ist schon heute ein entscheidender Imagefaktor, der an Bedeutung noch dazu gewinnen wird. Bislang gibt es noch nicht viele sogenannte Eco-Industrial-Parks (EIP), die von Anfang an so geplant werden konnten. Ich sehe darin eine Chance für unsere Region, die wir uns nicht entgehen lassen sollten.

12. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Willich in den kommenden fünf Jahren?

Monetäre Anreize zeigen oft keine nachhaltige Wirkung. Nach meiner Überzeugung ist die Senkung von Steuerhebesätzen ein wirtschaftspolitisches Instrument in Zeiten konjunktureller Schwächeperioden. Wir befinden uns aber de facto nicht in einer klassischen konjunkturellen Schwächephase, so dass eine Senkung der Realsteuersätze aktuell für mich kein Thema ist. Das soll nicht bedeuten, dass es nicht zu einem wichtigen Instrument in den nächsten Jahren werden kann. Konjunktur verläuft nicht statisch und genauso flexibel muss auch vor Ort entschieden und gehandelt werden.
Standortqualität wird heute zunehmend über weiche Faktoren definiert. Deshalb setze ich auf Beratungs- und Unterstützungsleistungen durch eine starke und überregional vernetzte Wirtschaftsförderung flankiert von einem qualifizierten Gewerbemanagement. Die Entwicklung der Gewerbegebiete zu einem ökologisch und sozial-nachhaltigen Wirtschaftsstandort z. Bsp. mit dem Angebot arbeitsplatznaher Kinderbetreuungsmöglichkeiten, durch Kostenreduzierung mittels energetischer Sanierung und Nutzung erneuerbarer Energien sowie die Schaffung von mehr Aufenthaltsqualität nebst attraktiver ÖPNV-Anbindung schaffen ein zukunftsfähiges Image, das für Unternehmen zunehmend zu einem wichtigen Qualitätskriterium wird.

Kurzprofil des Standortes

Im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit hat sich Willich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt. So sank die Arbeitslosenquote um 0,8 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt damit deutlich unter der von NRW (6,5 Prozent) und der Vergleichsregion (6 Prozent). Die Beschäftigung in Willich ist im selben Zeitraum deutlich gestiegen. Sie wuchs um rund 21 Prozent auf knapp 17.400 Beschäftigte. Das ist vergleichbar mit dem Anstieg in NRW und deutlich mehr als in vergleichbaren Kommunen.

Die Kaufkraft der Willicher Bevölkerung liegt leicht über dem Durchschnitt der Vergleichsregion. Im Kontrast dazu spiegelt die Zentralitätskennziffer, dass der Willicher Einzelhandel von dieser Kaufkraft eher wenig profitiert. Es findet ein Kaufkraftabfluss statt, der deutlich größer ist als im Schnitt der Referenzkommunen.

Die Gewerbesteueraufbringungskraft in Willich liegt mit 785 Euro je Einwohner über dem Niveau der vergleichbaren Kommunen und NRWs. Dies zeigt, dass die Willicher Unternehmen vergleichsweise steuerstark sind. Die Gewerbesteueraufbringungskraft konnte in den letzten Jahren zusätzlich um fast 34 Prozent gesteigert werden. Jedoch liegt Willich auch im Hinblick auf die Bruttoverschuldung mit rund 2.090 Euro je Einwohner über dem Referenzdurchschnitt.

Weitere Informationen, Analysen und Positionen zu den Wirtschaftsstandorten am Mittleren Niederrhein finden Sie hier.