Viersen

Christoph Hopp (CDU)

Christoph Hopp - CDU

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Viersen kann sich nur positiv entwickeln, wenn die Unternehmen vor Ort erfolgreich sind und wenn sie die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen vorfinden. Nur wenn Wirtschaftsförderung endlich wirklich zur Chefsache gemacht wird, wird es gelingen, die vorhandenen Unternehmen zu halten und innovative und erfolgreich arbeitende Unternehmen für Viersen zu gewinnen. Zukunftsorientierte Unternehmen und Unternehmer sind das Lebenselixier unserer Stadt. Durch regelmäßige Kontakte, intensive Pflege, aktives Werben müssen wir sie für uns gewinnen. Wirtschaftsförderung ist der Kern meiner Politik. Nur sie garantiert wirtschaftliche Unabhängigkeit und soziale Sicherheit für unsere Stadt.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Viersen Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Bereits im April hat die Viersener CDU hierzu einen 13-Punkte-Plan vorgelegt: https://www.cdu-viersen.de/wp-content/uploads/2020/04/Vorschlagsliste-CDU-Viersen-zu-Maßnahmen-Corona_Stadt-Viersen_23.04.2020.pdf

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

  • Zuhören. Urteilen. Handeln.
  • Echte, proaktive Bestandsförderbesuche bei den Unternehmen auch jenseits von Veranstaltungen mit Schlips und Kragen, im Arbeitsalltag, um unmittelbar zu erfahren, wo der Schuh drückt – bevor es zu spät ist. Das Team der Wirtschaftsförderung macht einen blitzsauberen Job. Für eine Wirtschaftsförderung, wie ich sie mir vorstelle, sind aber die inhaltliche Schwerpunktsetzung und der Personalschlüssel zu diskutieren.
  • bessere Vernetzung, Pflege, Dialog
  • Nutzen der Vorteile der Digitalisierung

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

  • Schaffung von Rahmenbedingungen, die die Unternehmen in die Lage versetzen, den Klimaschutz stark in den Blick nehmen zu können
  • Beschleunigung von Antrags- und Genehmigungsverfahren
  • lokale Wirtschaft in einer klimaneutralen Stadt stärken
  • Insbesondere die Vorgaben zum Umweltschutz beim Bauen (Stichwort ENEV, EEG) stellen eine Herausforderung für die Unternehmen dar, haben jedoch absolute Berechtigung. Hier ist es wichtig, dass die Wirtschaftsförderung (ggfs. die WFG des Kreises als zentrale Stelle) ein kompetenter und präsenter Partner für die Unternehmen ist, der berät, unterstützt, den Weg durch den Förderdschungel aufzeigt und gemeinsam mit den Unternehmen geht.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

  • Beschleunigung von Antrags- und Genehmigungsverfahren: key account- Sachbearbeiter*innen in der Bauaufsicht für gewerbliche Vorhaben, Vorfahrt für Investitionen
  • bessere Vernetzung, Pflege, Dialog
  • RAL-Zertifizierung als „Mittelstandsfreundliche Kommune“, nicht nur als Trophäe an der Wand, sondern als gelebte Praxis

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

  • Innenstädte für den Einzelhandel, aber auch als attraktiven Wohnraum gestalten und nutzen, Aufenthaltsqualität erhöhen
  • Gewinnung junger Familien für den Wohnstandort Viersen
  • Attraktivität der Innenstädte durch Veranstaltungsmanagement erhöhen: Jede Erhöhung der Passantenfrequenz ist gut wichtig für den Einzelhandel, neben den bisherigen Großveranstaltungen in den Ortsteilen stelle ich mir ergänzend eine Vielzahl von kleineren „Pop-Up-Events“ vor, die unsere Bürger*innen und auswärtige Besucher*innen in die Innenstadt ziehen.
  • Verbesserung der Sauberkeit und des Sicherheitsempfindens sind für mich eminent wichtig. Das gilt nicht nur für die Einzelhandelszonen selbst, sondern auch für die Wegeverbindungen zu Parkplätzen und Busstationen. Diese Angsträume müssen endlich beseitigt werden.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

  • Einrichtung eines Bürgertickets zur kostenfreien Nutzung des ÖPNV Ausbau der Wege für Fahrräder, Skater und E-Scooter
  • Sanierung vorhandener Radwege, Ausbau des Radwegenetzes
  • Einrichtung einer ständigen, möglichst kostenfreien E-Mobil-Verbindung vom Bahnhof zur Innenstadt. Hier lassen sich ökologische und ökonomische Motive sinnvoll miteinander verbinden: Die Einkaufsstraßen werden stärker an den ÖPNV  angebunden, die lokale Wirtschaft profitiert davon und die Umwelt freut sich über den daraus resultierenden Verzicht auf das private Kraftfahrzeug. Durch die Einrichtung von Mobilitätsstationen werden die verschiedenen Verkehrsangebote verknüpft, Car- und Bikesharing-Angebote in „unmittelbarer Nähe zu Bushaltestellen mit sicheren, wettergeschützten Radstellplätzen und einer Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge kombiniert. Der beides verbindende Innere Erschließungsring wird durch attraktive Bebauung aufgewertet.
  • Endlich eine funktionierende, bedarfsgerechte Anbindung der Gewerbegebiete an den ÖPNV schaffen. Kein(e) Mitarbeiter*in wird auf ihr/sein Auto verzichten, wenn sie/er auf dem Weg zur Arbeit mit dem ÖPNV am Viersener Bahnhof strandet.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

  • vgl. 7
  • Anbindung an die Schiene (S 28) und an den Schienenfernverkehr

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Wie lauten Ihre Pläne zur Weiterentwicklung des interkommunalen Gewerbegebiets „Mackenstein“?

  • Ein interkommunales Gewerbegebiet Mackenstein im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Überlegungen hierfür sind in der Vergangenheit nicht konkretisiert worden. Der Wiederaufnahme eines Dialogs mit unseren Nachbarn stehe ich jedoch offen gegenüber. Eine derartige Entwicklung kann jedoch mit mir nur gelingen, wenn der partnerschaftliche Dialog auf Augenhöhe geschieht und von Beginn an alle Betroffenen zu Beteiligten gemacht, alle Belange sorgfältig abgewogen werden und auch möglicherweise betroffene Anwohner*innen beteiligt werden. Ein kommunikatives Desaster wie bei der Aufstellung des B-Planes Mackenstein-Peschfeld darf nie wieder geschehen. So etwas schadet unserem Ruf als Wirtschaftsstandort nachhaltig und hat möglicherweise zum Verlust eines wichtigen Unternehmens beigetragen. Bis dahin sind wir mit unseren vorhandenen Flächen und Potentialen, die allerdings teilweise gehoben werden müssen, solide aufgestellt.
  • Mackenstein als hochwertiges Industriegebiet vorhalten: Eine Verbesserung des Pflegezustandes ist aber dringend geboten. Auch die Umfeldqualität des Arbeitsplatzes ist in Zeiten des demographischen Wandels ein wichtiger Trumpf der Unternehmen bei der Gewinnung von Mitarbeiter*innen. Auch die soziale Nachhaltigkeit eines Gewerbegebietes ist wichtig, nicht nur die reine Funktionalität. Ein(e) Mitarbeiter*in, die/der sich im unternehmerischen Umfeld wohl fühlt, der ihren/seinen Arbeitsplatz gut erreicht und Pausen gerne im Gebiet verbringt, ist auch ein guter und treuer Mitarbeiter. Das zählt für Unternehmen! Die eine oder andere Kommune in der Nachbarschaft ist da wesentlich weiter als wir, aber das können wir aufholen.
  • Gewerbeflächenpolitik intensiv weiter verfolgen. Eine Balance aus eigener, moderater Flächenentwicklung, aber auch die vollumfängliche Unterstützung privatwirtschaftlicher Investoren durch die Verwaltung, sowohl im Bestand als auch im Neubau von Gewerbeeinheiten, sind hier der richtige Weg.

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Viersen in den kommenden fünf Jahren?

Dank der soliden Haushaltspolitik der CDU konnte bei den letzten Haushaltsberatungen eine nur moderate Steigerung der Hebesätze durchgesetzt werden. Es handelte sich dabei um die erste Steigerung nach 16 Jahren. Die SPD-Bürgermeisterin hatte sich für höhere Hebesätze ausgesprochen. Auch bei uns gilt: Gute Leistung und Infrastruktur gibt es nicht zum Nulltarif. Wir wollen den Kurs des soliden Wirtschaftens beibehalten.

Sabine Anemüller (SPD)

Sabine Anemüller - SPD

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Digitalisierung und Fachkräftemangel sind wesentliche Themen unserer Unternehmen. Unsere Wirtschaftsförderung ist kompetenter Ansprechpartner für die Betriebe, um Klimaschutz und Digitalisierung voranzutreiben.

Um dem Fachkräftemangel abzuhelfen, ist unser Weg der Kooperationen zwischen Schulen und lokalen Unternehmen äußerst erfolgreich. Viersens gutes Angebot an Schulen, Sport, Kinderbetreuung, Kultur und Freizeit steht für eine Lebensqualität, die qualifizierte Menschen in die Stadt holt.

Die Gründerszene will ich neu beleben. Unser Gewächshaus wird modernisiert und digitalisiert und Kern der Initiative, gemeinsam mit den Hochschulen die Lust auf Neugründungen zu stärken.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Viersen Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Zunächst habe ich dafür gesorgt, dass sich unsere kommunale Wirtschaftsförderung fit gemacht hat, um die Unternehmen beraten und unterstützen zu können hinsichtlich finanzieller Hilfen für ihre coronabedingten Schäden und Einnahmeverluste.

Mit einer eigens dafür eingerichteten Hotline standen wir gerade zu Beginn der lock-down-Zeit nahezu rund um die Uhr zur Verfügung.

Mit der sehr schnellen Erstellung einer neuen Homepage konnten alle to-go-Restaurantangebote, alle digitalen Dienstleistungen sowie online-Bestellungen bei unserem lokalen Einzelhandel konzentriert angeboten werden. So war auch in der lock-down-Zeit weiterhin Heimat shoppen auf digitaler Basis möglich und viele Betroffene konnten dadurch ihre Einnahme-Einbußen etwas abmildern. Ich freue mich sehr, wenn diese Homepage mit unseren heimischen online-Angeboten auch weiterhin nachhaltig dafür sorgt, dass unsere Gastronomie und der Einzelhandel besser mit dem (nicht-lokalen) Online-Handel konkurrieren kann.

Im Zuge der Lockerungen haben wir in verschiedenen branchenübergreifenden Gesprächen mit Corona-Betroffenen einen hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarf festgestellt für die Reflektion des jeweiligen eigenen Geschäftsmodells. Die durchweg positive Bereitschaft zur Veränderung, um die ggf. noch länger andauernde Zeit der Corona-Einschränkungen zu bewältigen, überwiegt bei fast allen Gesprächspartnern. Um hier ebenfalls unterstützen zu können, bieten wir nun auch entsprechende Seminare und workshops an.      

Mit dem ganzjährigen Erlass der Sondernutzungsgebühren für unsere zentrale Innenstadt und unsere Stadtteil-Zentren sowie der Erlaubnis, die Außenflächen entsprechend erweitern zu dürfen, ermöglichen wir dem Einzelhandel und der Gastronomie eine Kompensation ihrer bisherigen Mindereinnahmen. Schließlich sind wir gemeinsam mit Werbering und Citymanagement an einer wieder neu auflebenden Innenstadt mit Handel und Gastronomie interessiert.

Weitere mögliche Hilfen werden in den jetzt wieder neu anlaufenden gemeinsamen Gesprächen zwischen Wirtschaftsförderung und den betroffenen Unternehmen besprochen und auf Umsetzung geprüft.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Mit unseren regelmäßig stattfindenden und jetzt wieder anlaufenden Besuchen bei den lokalen Unternehmen, mit dem Wiederaufleben unserer unterschiedlichen Netzwerk-Portale und Zusammenkünften bin ich überzeugt, dass wir eine stabile und nachhaltige und dauerhaft gute Kommunikation initiiert haben. Gerade auch die Ansprechpersonen in unserer Wirtschaftsförderung haben sich hier hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit via Telefon und E-Mail sehr gut abgestimmt.

Doch gerne nehme ich das Thema nochmals auf und eruiere, ob seitens der Unternehmen tatsächlich eine solche Kritik besteht. Nach meiner Kenntnis gab es einen eher schwierigeren Informationsfluss hinsichtlich der Umsetzung von spezifischen Corona-Beschränkungen seitens den für die jeweiligen Branchen zuständigen Handwerkskammern oder Zünften.    

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Auch hier stelle ich mir Beratung und Unterstützung vor, um entsprechende Fördermöglichkeiten auszuloten. Gut wäre auf jeden Fall, auf Bundes- und Landesebene die politischen Voraussetzungen für Anreize zu schaffen für Jeden, ob private Haushalte oder Unternehmen, um Mitstreiter und Mitmacher bei der Umsetzung von absolut notwendigen Klimaschutz-Zielen zu gewinnen. 

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Ich möchte die Lotsenfunktion der Fachkräfte in meiner Wirtschaftsförderung nicht nur für den Bereich der Fördermittel-Akquise stärken, die Mitarbeiter/innen der Wifö sollen auch innerhalb unserer Verwaltung eine Lotsen- bzw. Beratungsfunktion für unsere lokalen Unternehmen wahrnehmen. Wenn sich z.B. ein Unternehmen mit Um- oder Anbaumaßnahmen beschäftigt, so sollte der Wirtschaftsförderer als interner Ansprechpartner für die Firma in unserer Bauverwaltung bzw. Bauaufsicht fungieren. Das gilt auch für alle anderen Anliegen unserer Unternehmen. Unsere künftige Maxime soll so gestaltet sein, dass unsere Unternehmen sich möglichst nur an einen Ansprechpartner in der Wirtschaftsförderung zu wenden brauchen und diese innerhalb der kommunalen Verwaltung alles Weitere regeln.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Die vor Corona in unserer Stadt organisierten Feste, Veranstaltungen und Aktionen haben mit ihrer Qualität und ihren Alleinstellungsmerkmalen schon seit geraumer Zeit einen regen Zulauf – auch überregional – bewirken können. Und die Aktionen Heimat shoppen und fair trade wurden entweder separat beworben oder in die bestehenden Aktivitäten eingebunden. Besonders auch die in den letzten zwei Jahren erfolgten samstäglichen Aktionen haben für einen länger belebten Samstag-Einkaufstag gesorgt und die verkaufsoffenen Sonntage wurden ebenfalls bis zur erlaubten Anzahl ausgereizt.

Mit diesen Festivitäten konnten die Innenstädte belebt und der Umsatz des Einzelhandels und der Gastronomie stabilisiert und gesteigert werden. Gemäß persönlicher Umfragen wurde die Aufenthalts-Attraktivität in unseren Innenstädten erfolgreich gesteigert.  Gemeinsam mit dem Werbering finden nun weitere Analysen und Planungen statt, wie und wann nach Beendigung der Corona-Einschränkungen diese Aktivitäten wiederaufgenommen werden und auch weiter ausgestaltet werden. Dabei werden kontinuierlich neue Impulse und Trends in der Planung berücksichtigt.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Mein Ziel ist, ein neues Mobilitätskonzept mit Vorrangstellung für das Verkehrsmittel Fahrrad zu planen. Nicht unter den Tisch fallen sollten jedoch auch Maßnahmen, um die Nutzung des ÖPNV und der Bahn zu fördern. Mit mehr Fahrrad-Unterstellmöglichkeiten soll der Pendlerverkehr an unseren Bahnhöfen entlastet werden und mit einem Shuttle-Angebot zwischen dem Viersener Bahnhof zur Innenstadt können Besucher somit auf eine Parkplatzsuche in der Innenstadt verzichten.

Für Viersen wäre übrigens schon seit Jahren wichtig, wenn endlich die berühmt-berüchtigte S-Bahn 28 aktiviert werden könnte. Eine direkte Verbindung zwischen Düsseldorf und Viersen, deren Umsetzung leider bisher im Rahmen des Erfordernisses regionalen Konsenses am Veto unserer Nachbarstadt Mönchengladbach scheiterte. Ich gebe die Hoffnung gemeinsam mit dem Kreis Viersen und der Stadt Willich auf Realisierung nicht auf, zumal die bisherigen und aktuell erstellten Gutachten bestätigen, dass dieses verkehrliche Projekt nicht nur klimaschutzfreundlich wirkt, sondern auch wirtschaftspolitisch einen kräftigen Schub für unsere Region bedeutet. Hier wünsche ich mir mehr Unterstützung seitens des Landes NRW.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Ich halte ein Mobilitätskonzept mit einer Vorrangstellung für den Radverkehr für notwendig, um entsprechende Antworten auf den Klimaschutz geben zu können. Nichtsdestotrotz halte ich es für unabdingbar, die Erreichbarkeit unserer Wirtschaftsstandorte mit allen Verkehrsmitteln sicherzustellen.  

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Wie lauten Ihre Pläne zur Weiterentwicklung des interkommunalen Gewerbegebiets „Mackenstein“?

Leider hat es seinen Grund, warum das interkommunale Gewerbegebiet Mackenstein bisher nicht realisiert worden ist. Gemeinsam mit unserer Nachbarkommune wurde festgestellt, dass die dortigen Eigentumsverhältnisse, die Grundstückspreise, die verkehrlichen Rahmenbedingungen und die Bebauung mit Windkrafträdern große Schwierigkeiten bereiten, dieses Gebiet als Gewerbegebiet in den nächsten 5 Jahren erschließen zu können. Nichtdestotrotz benötigen wir allerdings Gewerbeflächen, denn Viersen ist als Gewerbestandort sehr gefragt.

Von daher lautet der Plan, die besagte Gewerbefläche als sogenannte Tauschfläche für neue und leichter zu erschließende Flächen für gewerbliche Zwecke zu behalten und bei der Bezirksregierung entsprechend anzubieten.

Zunächst einmal freue ich mich, dass Mackenstein nach wie vor gefragt ist und die dort verbleibenden Flächen zeitnah vermarktet werden und erst recht freue ich mich darüber, dass das Klageverfahren bezüglich der Erweiterung in Mackenstein, nämlich konkret das Gelände Peschfeld, zu unseren Gunsten abgeschlossen wurde und diese Fläche nunmehr schon heute zu einem Drittel konkret verkauft und vermarktet worden ist und auch für die restlichen Flächen konkrete Anfragen vorliegen.

Auch freue ich mich, dass wir nun endlich auf eine vollständige Besiedlung des Dienstleistungsparks Ransberg blicken können und gerne will ich hier die kommunale Politik überzeugen, dass eine Erweiterung dieser Fläche unserer Gesamtstadt gut tun wird.

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Viersen in den kommenden fünf Jahren?

Derzeit sehe ich kein Potenzial für eine Senkung der Realsteuersätze. Ich möchte aber betonen, dass wir im letzten Jahr politisch mehrheitlich eine wirklich sehr moderate Erhöhung beschlossen haben und anmerken, dass die letzte Erhöhung vor über 16 Jahren erfolgte. In Anbetracht der Haushaltssituation und den gestiegenen Aufwendungen unserer Stadt durch die in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Aufgaben halte ich persönlich diese Steigerung für absolut nachvollziehbar.

Insbesondere auch, da diese moderate Steuererhöhung mit dazu beigetragen hat, dass wir als Stadt der sog. Haushaltssicherung entkommen konnten. Nach mehr als 10 Jahren Haushaltssicherung ist es uns jetzt mit einem stabilen und langfristig ausgeglichenen Haushalt möglich, wieder kraftvoll investieren zu können. Und dies müssen wir auch. Allein der Kinderbetreuungs-Ausbau in Kitas und an OGS, bei den Schultoiletten und der Digitalisierung an unseren Schulen stellen einen gewaltigen Kraftakt dar, der erst jetzt realisiert werden kann. Und er trägt auch wieder zur Lebensqualität und damit zu Attraktivitätssteigerung unseres Standortes bei.

Weiterhin melden mir meine Unternehmen in Viersen die in ihren Augen viel wichtigeren Themen wie verkehrliche Erreichbarkeit, Glasfaser, Digitalisierung und Fachkräftemangel. Das Niveau der Gewerbe- und Grundsteuer wird meines Erachtens nach für akzeptabel gehalten. 

Nun kommt natürlich die derzeitige aktuelle Corona-Situation hinzu, die nicht nur bei manchen Unternehmen, sondern eben auch in unserer Verwaltung für erhebliche Einnahme-Ausfälle bezüglich der Gewerbesteuer sorgt. Wie hoch diese am Ende sein wird, ob eine Rezession ins Haus steht, die uns alle betreffen wird, ob wir Erstattungen von Bund und Land erhalten, hier gibt es noch viele Fragezeichen und von daher ist der jetzige Zeitpunkt viel zu früh, um eine Entscheidung dieser Art zu treffen.   

Kurzprofil des Standortes

In Viersen ist die Arbeitslosenquote mit 7,3 Prozent im Jahr 2019 um drei Prozentpunkte geringer als vor zehn Jahren. Im Vergleich zum Land NRW (Arbeitslosenquote: 6,5 Prozent) ist sie jedoch immer noch etwas höher. Die Beschäftigungszahlen konnten in den letzten zehn Jahren mit 15 Prozent fast ähnlich zunehmen wie in vergleichbaren Kommunen.

Die Kaufkraft in Viersen ist etwas geringer als in anderen Referenzkommunen, es gibt dabei jedoch einen Kaufkraftzufluss aus anderen Kommunen, wovon der Einzelhandel in Viersen profitieren sollte.

Die Gewerbesteueraufbringungskraft in Viersen ist mit 485 Euro je Einwohner kleiner
als in vergleichbaren Kommunen und konnte in den letzten Jahren weniger gesteigert
werden. Die Bruttoverschuldung in Viersen liegt jedoch ebenfalls unterhalb des Durchschnitts der Vergleichsregionen. Sie lag Ende 2018 bei 1.566 Euro je Einwohner.

Weitere Informationen, Analysen und Positionen zu den Wirtschaftsstandorten am Mittleren Niederrhein finden Sie hier.