Nettetal

Christian Wagner (CDU)

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1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Mit dem Bereich Wirtschaft&Marketing als One-Stop-Agency und der Vermarktung unserer Gewerbegebiete, erfolgreich z. B. bei Nettetal-West, sind wir gut aufgestellt, um zukünftig mit Nettetal-West II (35.000 qm neu) unsere Wirtschaftskraft langfristig zu stärken.

Ich werde mit dem Einzelhandel und der Gastronomie ein kommunales Citymarketing entwickeln, um unsere innerstädtischen Bereiche zu stärken und gemeinsam mit der NetteCard Online-Lösungen finden, die unsere Innenstädte lebendig erhalten.

Gemeinsam mit den Unternehmen werden wir Nettetal weiter als eine gesunde, klimafreundliche und generationengerechte Stadt unter Einbezug des Cradle-to-Cradle Gedankens entwickeln.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Nettetal Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen? 

Mit unseren ersten Maßnahmen – unbürokratische Herabsetzung der Gewerbesteuer, Stundung weiterer kommunaler Steuern, dem Aussetzen von Verwaltungsgebühren und dem Wegfall der Sondernutzungsgebühren für Einzelhandel und Gewerbe in 2020 – haben Rat und Verwaltung sofort gehandelt. Wir haben auch vereinbart, im Dialog mit den Unternehmen genau hinzuschauen, wo wir in Nettetal ergänzend zu den Rettungsschirmen von Bund und Land tätig werden können. Dabei müssen wir die Grenzen unserer Haushaltskraft berücksichtigen. So können wir keine Millionensummen für einzelne Unternehmen zur Verfügung stellen. Dadurch würden zukünftige Generationen unzumutbar belasten und Steuererhöhungen wären vorprogrammiert. Es kommt vielmehr darauf an, mit Augenmaß die richtigen Stellschrauben zu drehen.

So werden wir unser umfangreiches Investitionsprogramm im Bereich Hoch-, Tief- und Straßenbau mit mehr als 100 Millionen Euro konsequent umsetzen und wenn möglich erweitern, um so die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Gleiches gilt für Gastronomie und Einzelhandel, wo wir 2021 die leider abgesagten Veranstaltungen zu unserem Stadtjubiläum 2020 nachholen wollen.

Zusammengefasst: Wir sind in Nettetal gut aufgestellt, um gerade im Investitionsbereich aber auch darüber hinaus Impulse für unsere Wirtschaft setzen zu können. Wenn wir zudem zielgenau helfen können, werden wir das auch tun!

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Nettetal ist mit schnellen Internet, Mobilfunk und zunehmend auch Glasfaser recht gut aufgestellt.  Dennoch gibt es Optimierungsbedarf. Leider haben in der Vergangenheit nur wenige Unternehmen die zusätzlichen Chancen in Nettetal genutzt. Weder bei den Aktivitäten unserer Stadtwerke, gemeinsam im Joint Venture mit einem niederländischen Unternehmen hochwertige Glasfaseranschlüsse zu buchen noch bei der Vermarktung der Deutschen Glasfaser, Gewerbegebiete zu erschließen, fanden sich genügend Interessenten. Hier kommt auch der IHK eine wichtige Mittlerrolle zu.

Dank der aktuellen Erschließung durch das Bundesförderprogramm mit Glasfaser in unterversorgten Gebieten verbessert sich aber unsere Ausgangslage weiter und es gibt die Chance, für einen Neustart.

Eine moderne Kommunikationsinfrastruktur bleibt für mich ein entscheidender Standortfaktor und somit Chefsache. Gemeinsam mit unseren Unternehmen und der IHK werde ich gerne die teilweise vorhandenen Lücken schließen. Die vorausschauende Politik unserer Stadtwerke durch flächendeckende Leerrohrverlegung bieten hier beste Chancen. Selbstverständlich sind neue Wohn- und Gewerbegebiete in Nettetal per Glasfaser erschlossen.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Für uns in Nettetal sind Klimafreundlichkeit und wirtschaftliche Entwicklung kein Widerspruch, sondern zwei Seiten einer Medaille. So haben wir mit einigen Nettetaler Unternehmen beim Projekt Ökoprofit teilgenommen und durch den verbesserten Einsatz der Ressourcen die Umwelt geschützt und gleichzeitig konnte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöht werden. Meine Wirtschaftsförderung kommuniziert diese Ergebnisse in die Breite, so dass alle Unternehmen profitieren können.

Zudem sind unsere Stadtwerke ein verlässlicher und innovativer Partner für alle Lösungen im Bereich klimaschonender Energie – von Photovoltaik über grünen Strom bis hin zu individuellen unternehmerischen Lösungen.

Einen weiteren Schwerpunkt legen wir im Bereich Cradle-to-Cradle: Unser Ziel ist es nicht nur beim Bau, sondern auch im Betrieb bei den Produktionsabläufen ökologisch, gesund und unter weitgehender Vermeidung von Abfällen und biologisch nicht verwertbaren oder wieder einsetzbaren Stoffen zu handeln. Hier geht die Stadt bei ihren Projekten nicht nur voran, sondern entwickelt mit anderen Nettetaler und regionalen Unternehmen ein starkes Netzwerk, um Nettetal hier als klimafreundlichen, gesunden und generationengerechten Wirtschaftsstandort zu positionieren.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Mit unserem Unternehmensservice als One-Stop-Agency für alle Investitionsvorhaben und Ansprechpartner für alle Nettetaler Unternehmen haben wir die Voraussetzung dafür geschaffen, wirtschaftsfreundlich agieren zu können. Der direkt in meinem Geschäftsbereich angesiedelte Bereich Wirtschaft & Marketing bündelt gemeinsam mit mir alle wirtschaftlichen Fragestellungen. So werden die Interessen unserer Unternehmen gebündelt und über interne Steuerungsgruppen mit den Bereichen Planen, Bauen, Verkehr zielgenau eingebracht. Unser Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens ist im Verwaltungsvorstand unmittelbar in alle Entscheidungsprozesse einbezogen. Mit der Lenkungsgruppe Wirtschaft haben wir eine ständige Arbeitsgruppe mit den Entscheidern aus der Politik, um wichtige Weichenstellungen vertrauensvoll und zügig auf den Weg zu bringen.

Die Vermarktungserfolge der jüngsten Vergangenheit – nachdem wir hier auch in Nettetal-West eigenverantwortlich aktiv werden konnten – zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber Gutes kann, ja muss stetig verbessert werden. Deshalb ist mir der Austausch mit den örtlichen Unternehmen individuell und in den bestehenden Netzwerken so wichtig. Und mit unseren Wirtschaftsbotschaftern, deren Zahl ich gerne erweitern möchte, konnten wir aktive Unternehmer als Fürsprecher und Vermittler für den Standort Nettetal gewinnen.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Der Erhalt der Attraktivität unserer Innenstädte und die Bedeutung des Einzelhandels hatte ich bereits als eine der drei wichtigsten wirtschaftspolitischen Vorhaben oben genannt. Mit der Sanierung der Fußgängerzone in Breyell haben wir ein Zeichen gesetzt, um die dort aktiven Händler zu unterstützen. In Lobberich haben wir im vergangenen Jahrzehnt mit der Neugestaltung der Fußgängerzone und der integrierten Ansiedlung von Kaufland und der Ludbachpassage angefangen, Impulse zu setzen. Beim integrierten Stadtentwicklungskonzept in Kaldenkirchen werden wir ebenfalls einen Schwerpunkt bei der Stärkung des örtlichen Einzelhandels setzen. Für die Gesamtstadt ist die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für 2021 vorgesehen.

Aber darüber hinaus ist eine gebündelte Nettetaler Initiative für einen starken Einzelhandel gemeinsam mit den Werberingen und der NetteCard notwendig. Daher schlage ich vor, ein eigenständiges kommunales Citymanagement zu entwickeln, das die vielfältigen Initiativen des Einzelhandels unterstützt.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Die Erschließung unserer Gewerbegebiete, insbesondere auch Nettetal-West, ist über die gute Anbindung an das Autobahnnetz in Nettetal erstklassig.

Dank der Reaktivierung des Güterbahnhofes Nettetal-Kaldenkirchen als Railport gilt dies auch für den Schienenverkehr. Hier sind wir in Planungen, mit einem Minimum an Immissionen und klimafreundlich die Güterumladungen weiter zu modernisieren.

Für mich bleibt die bessere Anbindung Nettetals durch den schienengebundenen Personenverkehr auf der Agenda. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass wir hier über eine weitere Linie zwei Mal in der Stunde angebunden werden und das nicht erst nach Ausbau der Zweigleisigkeit zwischen Kaldenkirchen und Dülken, die ja nunmehr vom Bund eingeplant ist.

Parallel dazu werden wir beim ÖPNV auf nachfrageorientierte Systeme setzen. Hier kommt der Ausbau des bestehenden Anrufsammeltaxis ebenso in Betracht, wie die Einführung des Bürgerbusses.

Zudem werden wir das bestehende Radwegenetz sanieren und ausbauen. Das gilt auch für die Weiterentwicklung des Allenradweges als Radschnellwegeverbindung von Venlo nach Krefeld.

Außerdem besteht ein großer Anteil unseres o.g. Investitionspaketes von 100 Mio. € in der Ertüchtigung von Straßen und Radwegen.

Zudem werden wir gemeinsam mit den Stadtwerken, aber auch privaten Investoren die Infrastruktur im Bereich der E-Mobilität ausbauen.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Wie bereits dargelegt, ist die Erreichbarkeit der Nettetaler Wirtschaftsstandorte grundsätzlich sehr gut gewährleistet. Dies gilt insbesondere für den Individual- und Schwerlastverkehr sowie die hervorragende Anbindung in Nettetal-West über den Schienengüterverkehr.

Wir wollen für Nettetal aber mehr: Eine bessere Einbeziehung von E-Mobilität, Radverkehr und des ÖPNV sowie des SPNV. Der Ausbau des Allenradweges zur Radschnellwegverbindung, die bessere Andienung mit Personenzügen, die Verbesserung von nachfrageorientierten Angeboten im Bereich des ÖPNV, aber auch intelligente Verkehrsleit- und auch Parkleitsysteme sind Bausteine einer modernen Verkehrspolitik für Nettetal die gerade auch die Wirtschaftsstandorte, aber damit eben auch die Einzelhandelsschwerpunkte in den Innenstädten einbezieht und die Interessen der Bürger als Arbeitnehmer, Innenstadtbesucher und in der Freizeit einbezieht. Aus diesem Grunde werden wir ab Herbst 2020 ein Mobilitätskonzept erstellen, um auch hier die Zukunftsfähigkeit Nettetals zu sichern.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Nettetal hat ein interessantes Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss. Wie möchten Sie den Gewerbepark Nettetal-West vorantreiben?

Die Attraktivität Nettetals als zukunftsorientierter Wirtschaftsstandort hat sich mit Nettetal-West erwiesen. Durch schnelle und flexible Planungs- und Baugenehmigungsverfahren konnten wir hier aber bspw. auch in Breyell mit der Ansiedlung von Brata (120.000 qm) in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Gewerbeflächen erfolgreich vermarkten.

Leider müssen wir feststellen, dass bis auf einige Lagen in Nettetal-West I keine größeren Entwicklungsflächen mehr vorhanden sind. Überregionale wie auch Bestandsunternehmen haben die Flächen sehr gut angenommen.

Es hat sich bewährt, Vermarktung, Planung und Genehmigungsverfahren zielgenau zu bündeln und damit ein kompetenter und verlässlicher Partner für Investoren zu sein. Aber wir haben glücklicherweise mit dem ca. 35 ha in Nettetal-West II ein großes Entwicklungspotential. Unser Ziel ist es auch hier, eigenverantwortlich zu agieren und die Flächen zügig zu entwickeln und zu vermarkten, um den Erfolg Nettetal-West weiterzuführen. Dabei setzen wir auf moderne, innovative Unternehmen, die langfristig in Nettetal investieren wollen. Produktion, Mehrwertlogistik und Dienstleistungen (z. B. auch Systemgastronomie) sind insbesondere angesprochen. Weiter wollen wir Bestandsunternehmen Entwicklungspotentiale geben. Auch die Idee eines grenzüberschreitenden Wissenschaftscampus verfolgen wir weiter.

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Nettetal in den kommenden fünf Jahren?

Nettetal hat seit 2008 einen verlässlichen Gewerbesteuerhebesatz von 410 Punkten. Damit haben wir den geringsten Hebesatz am mittleren Niederrhein. Trotz intensiver Haushaltskonsolidierungen im letzten Jahrzehnt haben wir an diesem niedrigen Satz festgehalten. Auch bei den Grundsteuern liegen wir auf einem vergleichsweise geringen Niveau, haben hier auch nur einmal seit 2008 angehoben. Mein Ziel ist es, bei den kommunalen Steuern verlässlich zu bleiben. Da wir parallel unseren Haushalt ausgeglichen haben und unsere Ausgleichsrücklage ausbauen konnten, sind wir auch für die nun anstehenden schwierigeren Zeiten gut gerüstet. Vorrangig ist für mich keine weitere Absenkung der Steuern, sondern in unsere Infrastruktur und Bildungsangebote zu investieren und damit den Unternehmen weiter sehr gute Rahmenbedingungen zu geben. Ein Wettbewerb um den niedrigsten Steuersatz ist nicht zielführend.  Wichtiger ist es als Stadt, ein verlässlicher Partner der heimischen Wirtschaft zu sein und mit moderaten Steuern gute kommunale Leistungen anzubieten. Diesen Weg will ich weitergehen!

Christian Küsters (Die Grünen)

Christian Küsters

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Die Nettetaler Wirtschaft benötigt einen verlässlichen, planbaren Rahmen sowie die notwendige Infrastruktur. Dazu gehören nicht nur gute Straßen sondern insbesondere leistungsfähige und erschwingliche Breitbandverbindungen für alle Firmen – nicht nur in Nettetal-West. Als weiterer Punkt ist der Nachwuchs an Fachkräften zu nennen, die an den Schulen mit BaseL und an der Fontys gewonnen werden können. Daneben benötigt Nettetal ein den aktuellen Bedingungen angepasstes Einzelhandelskonzept. Hoher Leerstand und Rückgang gerade inhabergeführter Geschäfte müssen aufgehalten werden. Hierzu können z.B. Pop-Up-Stores dienen, in denen sich GründerInnen ausprobieren können.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Nettetal Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen? 

Als gelernter Bank- und Diplomkaufmann arbeite ich im Kreditbereich für Firmenkunden und kenne die aktuellen Sorgen und Nöte sehr gut. Die Sicherung der Liquidität und der Umgang mit täglich neuen Corona-Regularien sind die Hauptherausforderungen für Unternehmen. Die Stadtverwaltung muss insbesondere mit guten Beratungsangeboten in Bezug auf die zahlreichen Fördertöpfe zur Verfügung stehen. Die Verordnungen zu Corona müssen durch Verwaltungsmitarbeiter verständlich auf die lokale Ebene übersetzt werden, damit die Unternehmen wissen, woran sie sind. Auch bei der Umsetzung brauchen Unternehmen Unterstützung der Verwaltung. Dafür sollten ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Bei den Abgaben und Gebühren muss sich die Verwaltung flexibel zeigen, damit Unternehmen nicht durch Verwaltungsmaßnahmen illiquide werden. Noch wichtiger als all das ist aber, die Bürgerinnen und Bürger zu lokalem Konsum zu animieren. Aktionen wie Heimatshoppen können aktuell nicht durch Feste begleitet werden. Aber die Kreativität, die manch ein Händler während des Lockdowns gezeigt hat, ist auch bei der Verwaltung gefragt. Da reichen die NetteCard und ein Onlineshop-Pilot nicht aus.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Gerade Corona hat uns gezeigt, dass die Kommunikationsnetze schnell an ihre Grenzen kommen können. Dass Mitarbeiter weiterhin vermehrt im Home-Office arbeiten, wird weiter an der Tagesordnung sein. Die Netze – sowohl Breitband als auch Mobilfunk – müssen weiter ausgebaut und die Kapazitäten dringend erweitert werden. Der Datentransfer zwischen den Unternehmen, ihren Mitarbeitern und den Behörden muss problemlos fließen können. Da ist es ein guter Anfang, dass Nettetal -West einen hochwertigen Glasfaseranschluss hat. Dies benötigen wir jedoch flächendeckend in Nettetal, um nicht vom Rest der Welt abgehängt zu werden. Daher müssen wir die Fördermitteltöpfe von Bund und Land konsequent nutzen. Die Außenbereiche werden nun bald über eine Maßnahme des Kreises angeschlossen. Die weiterführenden Schulen, die in dasselbe Programm fallen, hätten jedoch längst angeschlossen sein müssen. Dies möchte ich mit hoher Priorität angehen. Nur so können digitale Inhalte selbstverständlich vermittelt werden, damit Krisen wie Corona nicht zu Unterbrechungen in der Vermittlung von Lerninhalten führen.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Ich bin der Überzeugung, dass die Stadt Nettetal als Vorbild agieren sollte. Als größter Arbeitgeber in Nettetal kann sie ihren Fuhrpark auf emissionsfreie Antriebstechniken umrüsten, in Co2-sparende Haustechnik investieren und die Infrastruktur so umbauen, dass Emissionen reduziert werden. Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen kennt die Stadt Nettetal die verwendbaren Fördertöpfe und kann am lebenden Objekt zeigen, wie die Technologien der Zukunft funktionieren. In Kombination mit den Stadtwerken Nettetal kann so ein gutes Beratungsangebot stattfinden. Daneben können Unternehmen natürlich weiterhin mit dem Projekt Ökoprofit externe Unterstützung bekommen. Als zukunftsweisend sehe ich für Nettetal das Cradle-to-Cradle Konzept. Hier hat sich die Stadt bereits mit eigenen Projekten auf den Weg gemacht. Mit dem Wissen hieraus wird Nettetal ein Alleinstellungsmerkmal für sich und seine Unternehmen entwickeln und gleichzeitig gut für seine Umwelt sein. Das Wissen ist bereits vorhanden. Es muss nur besser kommunizier werden, indem Stadtwerke, Unternehmen und Bürger sich über realisierte Projekte regelmäßig austauschen. Das Healthy Building Network ist dafür eine gute Basis, das wesentlich stärker ausgebaut werden muss.   

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Nettetal verfügt über qualifiziertes Personal in der Wirtschaftsförderung, welches in allen Belangen ein guter Eingangskanal in die Verwaltung ist. Kundenfreundlichkeit und Lösungsorientierung sind im Sinne der Unternehmen sollten weiter ausgebaut werden. Insbesondere im Planungsbereich ist eine zeitgerechte Bearbeitung der Vorgänge notwendig, damit UnternehmerInnen Planungssicherheit haben. Aus meiner Sicht müssen auch mehr Dienstleistungen online angeboten werden, damit Unternehmen möglichst viel aus der Firma heraus beauftragen oder beantragen können. Dadurch kommen die Daten auch so an, wie die Verwaltung sie braucht und können effizienter verarbeitet werden. Das spart auf beiden Seiten Zeit und Geld. Dazu ist es erforderlich, dass Nettetal stärker als bisher als Auftraggeber mit konkreten Anforderungen gegenüber dem Kommunalen Rechenzentrum KRZN auftritt. Nur wenn die Fachverfahren der Verwaltung kompatible Schnittstellen mit den Anwendungen der Unternehmen haben, ist eine reibungsloser Datenaustausch möglich.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Nettetal ist durch seine unterschiedlichen Ortsteile sehr vielfältig. Daher ist es mir wichtig die positiven Aspekte aufzunehmen und die kritischen Punkte anzugehen. Insgesamt gilt aus meiner Sicht eine Innenstadt als attraktiv, wenn eine hohe Verweildauer messbar ist. Diese entsteht durch einen bunten Mix attraktiver Geschäfte, eine vielfältige Gastronomie mit Tischen im Außenbereich und eine lebendige, ansprechende Atmosphäre. Bereits kleine Veränderungen, wie die in den Sommermonaten aufgebauten Sandkästen, zeigen gute Wirkung. Die Stadt Essen z.B. stellt jedes Jahr mobile bunte Staudenbeete in die Fußgängerzone, die man auch als Sitzgelegenheit nutzen kann. Ich möchte Geschäftsgründungen durch das Angebot von Pop-Up-Stores, bei denen die Stadt für einen begrenzten Zeitraum die Miete übernimmt, fördern. Dadurch reduziert sich der Leerstand und neue Ideen erhalten eine Chance. All das nutzt jedoch nur etwas, wenn die Nettetaler wissen, wie gut das Angebot vor Ort ist und die Leistungsfähigkeit des Händlers in der Nachbarschaft kennen. Deshalb werde ich über das Heimatshoppen hinaus für werbewirksame Unterstützung sorgen. Die kann zum Beispiel durch touristische Radrouten geschehen, die an Bauernläden vorbeiführen und in der Innenstadt enden. Bei einem stärkeren Fokus auf Tourismus profitieren auch die Innenstädte.         

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Mit den Autobahnen 40 und 61 ist Nettetal überregional gut angebunden und auch die Flughäfen in Düsseldorf, Köln, Eindhoven und Weeze gut erreichbar. Darüber hinaus verfügt Nettetal mit Lobberich und Breyell über zwei Bahnhaltepunkte, die jedoch nur stündlich angefahren werden und weder in den frühen Morgenstunden noch spät abends bedient werden. Dasselbe gilt für das Busangebot. Dieses sollte in den Außenbereichen durch Bürgerbusse ergänzt werden. Das alles würde mehr Anreize schaffen, das Auto stehen zu lassen und Alternativen zu nutzen. Als Freizeitregion verfügt Nettetal über ein gutes Netz an ausgebauten Wirtschaftswegen. Leider gibt es innerstädtisch vielfach Lücken im Radwegenetz, was das Fortkommen im Alltag behindert. Dann kann man auch in Sachen ruhender Verkehr neu denken, der viel Fläche in Anspruch nimmt. Für ein besseres Miteinander von Auto, Rad und Fußgänger sind zudem Mischflächen interessant, die es bislang jedoch nur in Lobberich auf Hoch- und Marktstraße gibt.  Da ohnehin eine Vielzahl an innerörtlichen Straßen zur Sanierung anstehen, besteht viel Potential für neue Ideen. Zu guter Letzt würde für Breyell die bereits seit langem geplante „Querspange“ den Bahnübergang Biether Straße und die Ortsdurchfahrt entlasten. Damit wäre auch der Bahnhof gut angeschlossen.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Ja, Nettetal benötigt definitiv ein Mobilitätskonzept. Überregional ist Nettetal mit den Autobahnen A61 und A40, mit einer Bahnlinie und mehreren Flughäfen im Umkreis von 100 km bestens angebunden. Durch das Unternehmen Cabooter können Transporte multimodal erfolgen und haben Zugang zu den ZARA-Häfen im Westen, dem Duisburger Hafen und Häfen in Italien.  Innerhalb Nettetals bedarf das Thema Mobilität jedoch einer deutlichen Überarbeitung. Einerseits muss der Verkehr für Güter und Dienstleistungen effizient geleitet werden, ohne die Ortskerne unnötig zu belasten. Auf der anderen Seite ist emissionsarme Mobilität gefragt, die eine neue Aufteilung von Flächen für fahrenden und ruhenden Verkehr erfordert. Dies betrifft auch den Zulieferverkehr in die Gewerbegebiete, da die Rastplätze an den Autobahnen längst nicht ausreichen. Wir brauchen an den Bahnhaltepunkten in Breyell und Kaldenkirchen sowie an den Busstationen in Lobberich, Hinsbeck und Schaag Mobilitätsstationen, die einen barrierearmen Wechsel der Verkehrsträger ermöglichen. Neben abgestimmter Taktung gehören sichere Abstellmöglichkeiten für Räder dazu. Der ÖPNV muss zudem örtlich die Gewerbegebiete und zeitlich die Randzeiten bedienen, damit die An- und Abreise auch bei Schichtbetrieb möglich ist. Das Radwegekonzept des Kreises Viersen, Bürgeranträge und andere Foren bieten bereits viele Ideen, die mit geringem Aufwand umgesetzt werden könnten.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Nettetal hat ein interessantes Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss. Wie möchten Sie den Gewerbepark Nettetal-West vorantreiben?

Nettetal West hat sich nach der Vermarktungsübernahme in Eigenregie gut entwickelt und bietet durch die weitere Fläche großes Potential. Entwicklungshemmnisse im Planungsrecht und selbst auferlegte Schwerpunkte (Agrobusiness, externe Unternehmen) sind nach langem Zögern beseitigt worden. Uns sind daher alle investitionsinteressierten Unternehmen willkommen. Dabei sollten wir die Nähe zu unseren niederländischen Nachbarn nutzen und kooperativ mit neuen Ideen wie Cradle-to-Cradle Mehrwert schaffen. Wir freuen uns über innovative Unternehmen, die attraktive Arbeitsplätze schaffen und uns in den Leitzielen unserer Stadt unterstützen. Die Vergangenheit mit der Abhängigkeit von der Textilindustrie hat jedoch gezeigt, dass es einen gesunden Mix an Unternehmen braucht. Das schafft auch stabile Arbeitsplätze. Darum will ich mich kümmern. Neben Nettetal-West bieten alle Stadtteile Gewerbeflächen für unterschiedliche Unternehmensgrößen an. Hierbei werden wir auch aufgegebene Gewerbeobjekte wieder marktfähig entwickeln. Ist dies nicht möglich oder werden die zugehörigen Flächen wie im Fall Niedieck-Park wohnbaulichen Zwecken zugeführt, muss dafür Ersatz geschaffen werden.          

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Nettetal in den kommenden fünf Jahren?

Nettetal hat mit 410 Punkten seit Jahren den niedrigsten Hebesatz in der Gewerbesteuer im Kreis Viersen und im IHK-Kammerbezirk, was ein wichtiger Standortfaktor ist. Auch in schwierigen Haushaltsjahren ist der Satz im Konsens der Parteien nicht angetastet worden. Dies soll auch so bleiben, um den Unternehmen klare Rahmenbedingungen zu bieten. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise sehe ich allerdings auch keinen Spielraum für Senkungen. Dies gilt ebenso für die Sätze zur Grundsteuer. Nettetal war in den letzten Jahren sparsam und konnte dadurch die Haushaltsrücklage aufstocken. Dies ging jedoch teilweise zu Lasten der städtischen Infrastruktur bei Straße und Gebäuden. Hier gilt es, mit bereits in Planung befindlichen (Werner-Jaeger-Halle, Lehrschwimmbecken, Schulen, Kindergärten) und noch anstehenden Investitionen (diverse Straßen, Kindergärten, Rathausumbau, E-Government) den Stau aufzulösen. Ein Zurückfahren oder Strecken würde die schwache Konjunktur weiter zurückwerfen, was vermieden werden muss. Gleichzeitig muss der Haushalt der kommenden Jahre generationengerecht sein. Wir dürfen die Finanzierung der Investitionen nicht so weit strecken, dass die Kinder unserer Kinder noch daran abzahlen.       

Kurzprofil des Standortes

Die Arbeitslosenquote in Nettetal sank in den letzten zehn Jahren um 2,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Damit ist die Arbeitslosenquote 2019 etwas geringer als die in NRW (6,5 Prozent). Die absoluten Arbeitslosenzahlen gingen dabei um 24 Prozent zurück. Dies ist etwas schwächer als in den Vergleichskommunen. Die Beschäftigung hat sich schwächer entwickelt als in NRW. Sie stieg in den letzten zehn Jahren um 9 Prozent auf rund 11.000 Beschäftigte. In NRW und den Vergleichskommunen waren es rund 20 Prozent.

Die Kaufkraft der Nettetaler liegt unterhalb des NRW-Niveaus und unterhalb des Werts der Referenzkommunen. Der Kommune gelingt es dabei jedoch, Kaufkraft aus anderen Regionen anzuziehen, wovon Nettetals Einzelhandel profitieren sollte.

Die Gewerbesteueraufbringungskraft in Nettetal liegt mit 450 Euro je Einwohner etwas unter dem Durchschnitt der Referenzkommunen* und ist im Vergleich zu diesen in den letzten Jahren auch nur schwächer gestiegen. Die Bruttoverschuldung pro Einwohner ist mit rund 3.570 Euro je Einwohner überdurchschnittlich*.

*Hinweis: Ausreißer Monheim aus Vergleichsgruppe herausgerechnet

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