Krefeld

Frank Meyer (SPD)

Frank Meyer - SPD

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

  1. Unterstützung des Wachstums von Bestandsunternehmen und Neuansiedlungen vor allem von arbeitsplatzintensiven Unternehmen, um noch mehr Menschen in Arbeit zu bringen.
  2. Konsequente Ausweisung von attraktiven und vielfältigen Gewerbe- und Wohnflächen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter.
  3. Krefeld als Industriestandort erhalten und ausbauen.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Krefeld Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Als Stadt haben wir die Aufgabe, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen. In den vergangenen fünf Jahren konnten wir bereits an vielen Stellen konkrete Verbesserungen erreichen, z.B. bei der Gewerbeflächenverfügbarkeit. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen – z.B. erweist sich die hiesige Industrie und unserer großer Branchenquerschnitt erneut als Stabilitätsanker. Um aus der Krise herauszukommen, werden wir uns genau ansehen, wo es drückt und im Anschluss an unser Sofortmaßnahmenpaket, mit Maßnahmen u.a. bei der Gewerbesteuer und den Sondernutzungsgebühren, die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Dazu habe ich den direkten Austausch zu den Unternehmen und auch den Betriebsräten intensiviert, um direkt aus erster Hand zu erfahren, wo es welche Schwierigkeiten gibt. Wir haben die Wirtschaftsförderung Krefeld strukturell und konzeptionell zukunftstauglich weiterentwickelt und dort ein engagiertes Team, die den Unternehmen zur Seite steht.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ist in den letzten Jahren an vielen Stellen in Krefeld bereits signifikant besser geworden. Mit der Einstellung eines Breitbandkoordinators haben wir einen zentralen Ansprechpartner für alle Anliegen aus diesem Bereich geschaffen, der im direkten Austausch mit den Telekommunikationsunternehmen steht und so schon oft in Einzelfällen helfen konnte, gute Lösungen zu finden. Mit seiner Hilfe und auch Unterstützung der WFG konnte in einigen Gewerbegebieten erfolgreich Nachfrage gebündelt und ein privatwirtschaftlicher Ausbau initiiert werden. Mit dem geförderten Ausbauprogramm für die unterversorgten Gebiete (sog. weiße Flecken) werden wir auch die verbleibenden akuten Problempunkte konsequent angehen. Wir stehen zusätzlich im regelmäßigen Austausch mit Anbietern, um diese für einen privatwirtschaftlichen, zukunftssicheren Ausbau weiterer Bereiche der Stadt zu gewinnen.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind eine zentrale Herausforderung für uns alle – die politisch beschlossene mittelfristige Dekarbonisierung unserer Gesellschaft wird uns allen viel abverlangen. Das Wohl und Wehe dieser Transformation wird vor Ort mitentschieden. Mit unserem Klimaschutzkonzept haben wir wichtige Weichenstellungen geschaffen. Wir sind dafür als Stadt und Region gut aufgestellt. Bei der Nachhaltigkeit im Immobilienbereich sind wir mit dem Healthy-Building- Network und unserer Partnerstadt Venlo vorne dabei. Noch in diesem Jahr starten wir außerdem mit Venlo und anderen Akteuren ein Projekt zur grenzüberschreitenden Wirtschaftsförderung unter dem Vorzeichen der Nachhaltigkeit. Wir sollten Räume und Möglichkeiten zum Ausprobieren schaffen, damit Innovation gerade auch im Umweltbereich in unserer Stadt weiter gedeihen kann. Gemeinsam mit der Wirtschaft und der Hochschule Niederrhein sehe ich hier großes Potenzial, auch und gerade im Bereich innovativer Gründungen, die wir im Rahmen der Neuaufstellung der Wirtschaftsförderung verstärkt in den Fokus nehmen. Wir können hier auf der in den letzten Jahren verstärkte Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein aufbauen.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Wir haben in den letzten Jahren bereits gute Fortschritte erzielt: die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und – Angeboten treiben wir mit unserer eGovernment – Strategie mit Nachdruck voran. So können Sie in Krefeld Ihr Gewerbe online anmelden und die Anmeldung direkt elektronisch an uns übermitteln. Komplett digital funktioniert es bei rund 30 Dienstleistungen. Für viele weitere Dienstleistungen bieten wir sehr praktische Onlineformularassistenten an, über 150 an der Zahl und sogar mit automatischer Übersetzungsmöglichkeit. Wir entwickeln das Angebot im Rahmen der rechtlichen Vorgaben ständig weiter. Nach und nach möchten wir alle unsere Dienstleistungen auf volldigitalem Wege anbieten. Unsere gerade neugestaltete Webseite ist ein wichtiger Schritt und mit einem eigenen Serviceportal sehr kundenorientiert. Mit dem neuen Wirtschaftsdezernten werden wir in einer neuen internen Struktur weiter an der optimalen Unterstützung unserer Unternehmen arbeiten. Mein Anspruch: Mehr Transparenz, bessere Kommunikation und, wo es rechtlich machbar ist, höhere Geschwindigkeit.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen? Was planen Sie insbesondere, um die vier Wälle – das Wahrzeichen Krefelds – sichtbarer zu machen?

Wir arbeiten seit Jahren mit Hochdruck daran, die Innenstadt wieder in neuem, alten Glanz erstrahlen zu lassen. „Handeln und Helfen“ ist hier das Stichwort. Wir haben mit einer massiven Aufstockung und Präsenzausweitung des Kommunalen Ordnungsdienstes, eine Initiative zur Steigerung der Aufenthaltsqualität (z.B. neugepflasterte Hochstraße und attraktive neue Sitzbänke) sowie unserer Sauberkeitsinitiative „Stadt.Fein.“ bereits sichtbare Verbesserungen in der Innenstadt erreicht. Auch Ärgernisse wie die zugeparkte Rheinstraße haben wir in Angriff genommen. Zusammen mit attraktiven Veranstaltungen, z.B. dem neu gestalteten Weihnachtsmarktangebot, heben wir so die Potenziale der Innenstadt und sorgen für Anlässe, wieder in die Innenstadt zu kommen. Die vier Wälle werden wir mit Hilfe von externer Expertise in die Zukunft führen. Mit der kulturhistorischen Analyse, die kurz vor der Fertigstellung steht, haben wir erstmals einen umfänglichen Blick auf die Genese der Krefelder Innenstadt. Auf dieser Basis schreiben wir ein konkretes Vier-Wälle-Konzept aus und werden es rasch umsetzen. Ich möchte vor allem in einer optisch einheitlichen Gestaltung der Wälle einen Schwerpunkt legen und zum 650 jährigen Stadtjubiläum 2023 ein neues Vier-Wälle- Gefühl erreicht haben.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern? Wie stehen Sie zum Bau einer Westtangente zur B9 und zur Nordanbindung über die B288?

Wir werden weiterhin an neuralgischen Punkten die Verkehrsinfrastruktur verbessern. Der Bau des Kreisverkehrs „Floßstraße“ ist ein gutes Beispiel dafür. Hiermit waren wir sogar vor dem Plan fertig und konnten damit diesen zentralen Verkehrsknotenpunkt entlasten. Auch in Zukunft werden wir „da, wo es weh tut“ für Verbesserungen sorgen und damit den Unternehmen eine gute Erreichbarkeit sichern. Bereits 2019 haben ich mich gemeinsam mit der IHK dafür ausgesprochen, die Leistungsfähigkeit der B288 / A524 und insbesondere der Rheinbrücke vorrangig zu sichern, wobei die durchgehende vierspurige Verbindung zwischen A 3 und A 57 auf Krefelder Seite ohne zusätzliche Kosten und ohne Ausbau zur Autobahn eingerichtet werden kann, da dort die B 288 bereits voll ausgebaut ist. Eine Westtangente zur B9 kann eine sinnvolle Maßnahme sein, wenn planerisch machbar und bezahlbar und die entsprechende politische Mehrheit dafür vorhanden ist. Allerdings ist das Zukunftsmusik. Kurzfristigere Antworten für die Wirtschaftsverkehre werden wir weiterhin in enger Abstimmung mit allen Partnern suchen.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Die Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte im Stadtgebiet ist ein ganz zentraler Standortfaktor. Unser Ziel ist es, vor allem durch Verkehrsflussoptimierung und punktuelle Infrastrukturmaßnahmen hier Verbesserungen zu erreichen. Außerdem sollten die Unternehmen gerade im Hafenbereich die Möglichkeiten der trimodalen Anbindung möglichst breitgefächert benutzen – viele tun das bereits intensiv. Ein Mobilitätskonzept ist für eine ganzheitliche Sicht auf die Verkehre in der Stadt eine wichtige Voraussetzung – daher arbeiten wir ja bereits daran.

9. Der Krefelder Hafen ist ein bedeutender Faktor für die lokale Wirtschaft. Mit welchen Maßnahmen planen Sie, den Hafen in seiner Funktion weiterzuentwickeln?

Der Hafen hat in den letzten Jahren eine sehr gute Entwicklung gemacht. Mit den jüngsten Ansiedlungserfolgen, wie z.B. der Castellmühle, konnten wir die Attraktivität des Gebietes unter Beweis stellen. Mit einer gut aufgestellten Hafengesellschaft haben wir hier ein regionales Pfund, dass wir auch weiterhin stärken werden durch den strategischen Erwerb von hafennahen Flächen und deren Entwicklung. Als Industriestandort hat er eine hohe Bedeutung.

10. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Krefeld hat nur noch wenig Potenziale für neue Flächenausweisungen. Welche Möglichkeiten zur effektiven Nutzung und Sicherung vorhandener Flächen sehen Sie in Krefeld?

Unser Ziel ist es, die vorhandenen gewerblich festgelegten Brach- und untergenutzten Flächen bestmöglich für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zu nutzen. Dazu geht es um behutsame und abgewogene Neuausweisungen und um sehr bewusste Entscheidungen, wen wir auf städtischen Flächen ansiedeln. Wir haben auf Basis des BPlan 795, Fichtenhainer Alle, wieder attraktive Gewerbeflächen im Angebot. Wichtig ist es, die im Flächennutzungsplan vorgesehenen Gewerbe- und Industrieflächen rasch und konsequent in die Umsetzung zu bringen. Wir ergänzen dies mit zielorientierter Brachflächentwicklung. Dafür haben wir die Grundstücksgesellschaft Krefeld auf Basis eines neuen Konzeptes gestärkt. Mit den im Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelten Ideen und Ansätzen zum Thema Gewerbeflächen sehe ich uns auf einem guten Weg. Das Interkommunale Gewerbegebiet an der A44 hat das besondere Potenzial, ein überregionaler Magnet für hochwertige Ansiedlungen zu werden.

11. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Auch der Gewerbe- und der Grundsteuerhebesatz liegen in Krefeld im Vergleich zu anderen Kommunen am Mittleren Niederrhein überdurchschnittlich hoch. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in den kommenden fünf Jahren?

Krefeld bietet viel „fürs Geld“. Im ehrlichen regionalen Vergleich mit anderen Städten unserer Größe müssen wir uns bei der Höhe des Hebesatzes nicht verstecken. Das zeigt sich auch in den erfolgreichen Unternehmensansiedlungen der letzten Jahre. Natürlich habe ich grundsätzlich Verständnis dafür, wenn Unternehmen sich Entlastungen bei Kosten wünschen. Aber mit diesen und anderen Steuern finanzieren wir beispielsweise wichtige Infrastrukturmaßnahmen im Sinne der Unternehmen. Ob es Potenzial für Senkungen geben wird, wird maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und den kommunalen Finanzsituation abhängen. Hier sollten wir nicht „in die Glaskugel“ schauen, sondern weiterhin solide Haushaltspolitik betreiben und von Jahr zu Jahr kritisch Ausgaben und die verschiedenen Einnahmenquellen betrachten.

12. Die Unternehmer in der Region befürworten das engmaschige Berufsschulnetz am Mittleren Niederrhein. Die Ausstattung der Schulen wird jedoch häufig als verbesserungswürdig angesehen. Inwiefern planen Sie Investitionen in die Berufsschulinfrastruktur in Krefeld?

Über 1000 Baumaßnahmen mit rund 143 Millionen Euro Budget das ist unser Plan für die Krefelder Schulen bis zum Jahr 2022 und darüber hinaus. Damit wird saniert, ausgebaut und neugebaut. Bis jetzt wurden bereits knapp 55 Millionen Euro für die Instandsetzung und Erweiterungen investiert. Schon 200 Projekte von „Krefeld macht Schule“ haben wir abgeschlossen, 355 sind in der Umsetzung. Auch für die Berufskollegs haben wir bereits viel getan – und werden noch viel tun: Decken und Böden werden saniert, die Sanitäranlagen, auch die Beleuchtung modernisieren wir an vielen Stellen. Unsere Planung werden wir konsequent fortführen. Das gilt übrigens auch und gerade im Bereich der Digitalisierung in der technischen Gebäudeaustattung. „Krefeld macht Schule“ ist das größte Investitionsprogramm in die Bildung unserer Kinder, das es jemals in Krefeld gegeben hat.

Kerstin Jensen (CDU)

Kerstin Jensen

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Erstens, die Stadt Krefeld muss sich künftig darauf konzentrieren, das Grundsätzliche zu tun. Die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur, beispielsweise im Straßenbau, muss Vorrang haben vor immer neuen Pilotprojekten und Modellversuchen. Zweitens, die Verwaltung muss zu einem Dienstleister für Bürgerinnen und Bürger, aber ganz konkret auch für die Wirtschaft umgebaut werden. Unternehmen zufriedenzustellen, die in Krefeld investieren wollen, hat für mich Priorität. Und schließlich: Die Wirtschaft darf nicht den Eindruck bekommen, von der Stadt als Melkkuh missbraucht zu werden. Deshalb bin ich für moderate Hebesätze bei Grund- und Gewerbesteuer, um Krefeld für Investoren attraktiv zu machen.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Krefeld Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Zur politischen Führung gehört nach meinem Verständnis auch, reinen Wein einzuschenken. Das bedeutet, klar zu sagen: Die Politik kann nicht für alle ent- standenen Ausfälle in Ersatzleistungen gehen. Wir können die Lastentragung der Coronakrise nicht beliebig auf nachfolgende Generationen verschieben. Die Stadt kann jedoch konkret helfen, indem sie gute Angebotsbedingungen für Unternehmen schafft. Meine Kernpunkte habe ich bereits in der vorangegangenen Antwort benannt. Daneben sind konkrete Hilfsleistungen möglich, beispielsweise durch die Einrichtung und Pflege eines wirklich attraktiven Onlineportals, das Krefelder Unternehmen besser vernetzt und dabei hilft, noch immer spürbare Ausfälle beim Präsenzhandel auszugleichen.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Wenn Krefeld Anschluss halten will, brauchen wir bessere und leistungsfähigere Internetverbindungen in unseren Gewerbe- und Industriegebieten. Gerade in Corana-Zeiten stellen wir ja vermehrt fest, dass die Internetanbindungen in unseren Straßenzügen noch stark ausbaubedürftig sind. Die verstärkte Nachfrage nach Homeoffice für Beruf und Schule macht dies sehr deutlich.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Wir fahren auf Bundes- und Landesebene sehr gut damit, dass die von uns geführten Regierungen entsprechende Vorgaben, die ja in vielen Fällen über die Europäische Union Eingang in deutsches Recht finden, Eins zu Eins umsetzen, allerdings keine darüber hinausgehenden Auflagen hinzufügen, die die Unternehmen Diesem Prinzip sollten wir auch auf kommunaler Ebene folgen.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Letztlich geht es nach meinem Verständnis um einen echten Kulturwandel – darum, dass sich die Verwaltung wirklich als Dienstleisterin der Bürgerschaft, aber ganz konkret auch der Wirtschaft versteht. Ich werde mich zudem dafür einsetzen, bestehende Ermessensspielräume zugunsten von Unternehmen zu nutzen und so eine Beschleunigung von Verfahren herbeizuführen.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen? Was planen Sie insbesondere, um die vier Wälle – das Wahrzeichen Krefelds – sichtbarer zu machen?

Die Stadt muss ihre Kernaufgaben erfüllen und gute Voraussetzungen für wirtschaftliche Betätigung schaffen, um so Wohlstand zu generieren – verbunden mit allen positiven Auswirkungen, die das dann auch auf die Innenstadt haben wird. Nicht zuletzt der Einzelhandel bedarf eines moderaten Gewerbesteuerhebesatzes, um Spielraum für Investitionen zu haben. Eigentümer und darüber hinaus auch private und gewerbliche Mieter haben ein hohes Interesse an einem maßvollen Grundsteuerhebesatz, damit Wohnen und Wirtschaften in der Innenstadt bezahlbar und Immobilieneigentum attraktiv bleibt. Wir brauchen eine Eigentümerkultur für die Innenstadt, nach der sich Immobilieneigner auch wirklich für ihre Objekte – für die Substanz und ihr Äußeres – verantwortlich fühlen. Die Stadt ist in der Pflicht, die Infrastruktur zu erhalten – Straßen dürfen nicht zu Schlaglochpisten verkommen, öffentliche Gebäude dürfen nicht so lange verrotten, bis schließlich nichts mehr zu machen ist. Wenn die Stadt all diese Pflichtaufgaben in guter Weise erfüllt und sich darauf konzentriert, dann wird Krefeld auch wieder eine noch attraktivere Einkaufsstadt und der (Einzel-)Handel blüht auf.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern? Wie stehen Sie zum Bau einer Westtangente zur B9 und zur Nordanbindung über die B288?

Mit Blick auf die kommunalen Straßen geht es mir, wie schon ausgeführt, darum, dass die Stadt hier wirklich ihre Pflichtaufgaben erfüllt und darüber hinaus die Abstimmung mit weiteren Akteuren, insbesondere den Stadtwerken, verbessert. Die Verwaltungsspitze verzettelt sich auf zu vielen weniger relevanten Feldern mit allerlei Aktivitäten, und die Wahrnehmung der eigentlichen Pflichten bleibt dabei liegen. Dies will ich in einer ganz grundsätzlichen Weise ändern. Was die Westtangente zur B9 betrifft, so kann man hier nur mit großer Geduld den Dialog suchen und allen beteiligten Partnern deutlich machen, wo die gemeinsamen Vorteile liegen. Mit Blick auf den weiteren Ausbau der B288 ist es unseren CDU-Landtagsabgeordneten gelungen, das Verkehrsministerium dazu zu bewegen, die in den letzten Jahren brachliegenden Planungen wieder aufzunehmen. Ich setze mich ausdrücklich dafür ein, dass der Ausbau der B288 zumindest mittelfristig in die konkrete Umsetzung geht, insofern ich mir davon nicht nur eine Verbesserung des Verkehrsflusses über die Stadtgrenzen hinaus, sondern auch Vorteile beim Lärmschutz und bei der Reduzierung innerörtlicher Verkehre verspreche.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Ich befürworte mit Nachdruck die Realisierung erforderlicher Projekte des Straßen- und Brückenbaus in unserer Region. Zugleich setze ich mich dafür ein, anstehende Straßenbaumaßnahmen durch eine hinreichende Lärmschutzverbesserung zu flankieren, da nur so Unterstützung und Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erreichen sind. Des Weiteren ist ein dichtes Netz Öffentlichen Personennahverkehrs innerhalb Krefelds und zu benachbarten Städten gerade für Berufstätige unverzichtbar. Daher wollen wir eine dichte Taktung der Haltestellenbedienung von Bus und Bahn für die Zukunft sichern und nach Möglichkeit ausbauen. In diesem Zusammenhang muss es möglich sein, dass künftig verstärkt auch private Unternehmen Strecken anbieten und befahren. Der Krefelder Hauptbahnhof, aber auch die örtlichen Bahnhöfe sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Mobilitätssicherung unserer Stadt. Ich setze mich dafür ein, bestehende Verbindungen zu erhalten und die Anbindung Krefelds an den Schnellverkehr der Bahn zu verbessern. Ich begrüße die Einrichtung von Linien privater Bahnunternehmen, damit die Menschen gerade im Regionalverkehr noch flexibler von Ort zu Ort kommen können als bisher. Notwendig ist jedoch, dass diese die vorgegebenen Fahrpläne einhalten und pünktlich fahren, um für Pendler verlässlich zu sein. Ich bin mir zudem über die Wichtigkeit nicht nur von Personen-, sondern auch von Güterverkehren auf der Schiene im Klaren. All diese Elemente müssen Teil einer Politik aus einem Guss und eines stimmigen Gesamtkonzepts sein.

9. Der Krefelder Hafen ist ein bedeutender Faktor für die lokale Wirtschaft. Mit welchen Maßnahmen planen Sie, den Hafen in seiner Funktion weiterzuentwickeln?

Die Tatsache, dass Krefeld nicht nur über Straße und Schiene zu erreichen ist, sondern auch über eine privilegierte Lage an Europas wichtigster Wasserstraße verfügt, will ich künftig noch viel intensiver in das Bewusstsein auch der Verwaltung rücken. Der Krefelder Rheinhafen besitzt ein beachtliches Potential, das in den kommenden Jahren noch stärker genutzt werden muss. Voraussetzungen hierfür sind eine funktionierende Verkehrsanbindung und ein leistungsfähiges Straßennetz im Hafenhinterland. Für die Umsetzung entsprechender baulicher Maßnahmen, die viel zu lange aufgeschoben worden sind, werde ich mich stark machen.

10. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Krefeld hat nur noch wenig Potenziale für neue Flächenausweisungen. Welche Möglichkeiten zur effektiven Nutzung und Sicherung vorhandener Flächen sehen Sie in Krefeld?

Krefeld ist nicht allein am stärksten, sondern bedarf der vertrauensvollen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Kreisen Viersen, Kleve, Wesel und Neuss, mit den Städten Mönchengladbach und Duisburg sowie mit der Landeshauptstadt Düsseldorf, um seine Entwicklungschancen voll nutzen zu können. Dazu gehört auch der Versuch einer Entwicklung gemeinsamer Gewerbegebiete wie zwischen Krefeld und Meerbusch. Mit Blick auf die Ausweisung von Gewerbeflächen können wir gleichwohl nicht auf einen immer weiter gehenden Flächenverbrauch und auf eine Versiegelung von Grünland setzen. Vielmehr müssen auch Wege gefunden werden, wie man bereits vorhandene Gewerbeflächen intensiver und damit effizienter nutzen kann.

11. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Auch der Gewerbe- und der Grundsteuerhebesatz liegen in Krefeld im Vergleich zu anderen Kommunen am Mittleren Niederrhein überdurchschnittlich hoch. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in den kommenden fünf Jahren?

Ja, diese Frage hat für mich Priorität – Unternehmen, die bereits in Krefeld ansässig sind oder sich in Krefeld ansiedeln wollen, dürfen nicht den Eindruck gewinnen, von der Stadt ausgenommen zu werden. Wir bedürfen einer echten Willkommenskultur für Unternehmen, und diese zeigt sich nicht zuletzt in einer Selbstbeschränkung der Kommune bei den Hebesätzen für Grund- und Gewerbesteuer. Im Übrigen ist es eine Illusion zu glauben, dass hohe Steuersätze zu hohen Steuereinnahmen führen. Vielmehr kann man durch eine kluge Absenkung der Steuerlast letztlich zu Mehreinnahmen gelangen, wenn es einem so gelingt, zusätzliche Wirtschaftskraft von Gewerbe- und im Gefolge auch von Ein- kommensteuerzahlern für Krefeld zu akquirieren.

12. Die Unternehmer in der Region befürworten das engmaschige Berufsschulnetz am Mittleren Niederrhein. Die Ausstattung der Schulen wird jedoch häufig als verbesserungswürdig angesehen. Inwiefern planen Sie Investitionen in die Berufsschulinfrastruktur in Krefeld?

Ich bin für einen Schwerpunkt städtischer Investitionen in unser Schulsystem insgesamt, insofern man die Berufskollegs nicht losgelöst von den allgemeinbildenden Schulen sehen darf. Krefeld benötigt bedarfsgerechte, passgenaue schulische Angebote im Bereich der Grundschulen, der weiterführenden Schulen, natürlich auch der Berufskollegs, aber auch der Förderschulen, die die Verschiedenheit von Schülerinnen und Schülern respektieren und so eine möglichst individuelle, zielgerichtete Förderung ermöglichen. Ich setze mich ein für gute Lernbedingungen für besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler, deren Fähigkeiten sich die Gesellschaft in späteren Jahren zunutze machen kann, aber ebenso für erforderliche Hilfen für jene, denen das Lernen schwerfällt. Beides gehört nach meiner Überzeugung untrennbar zusammen. Für uns alle gilt dabei: Die Gesellschaft befindet sich auf dem digitalen Weg in die Zukunft. Damit brauchen unsere Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zu den Berufskollegs Kompetenzen im Umgang mit den zeitgemäßen Technologien. Es ist mir ein Anliegen, den Schulen die Technik und Informationstechnologie zur Verfügung zu stellen und sie entsprechend auszustatten. Das muss für alle unsere 56 Schulen an 67 Standorten eine Selbstverständlichkeit sein.

Kurzprofil des Standortes

Die Arbeitslosenzahlen in Krefeld haben sich in den letzten zehn Jahren nur geringfügig vermindert. Die Arbeitslosenquote sank um 1,3 Prozentpunkte und lag 2019 im Schnitt bei 10,1 Prozent. Damit ist die Arbeitslosigkeit in Krefeld nach wie vor größer als in NRW, wo die Arbeitslosenquote 2019 bei 6,5 Prozent lag. Auch in den meisten Vergleichskommunen ist die Quote im Jahr 2019 geringer als in Krefeld. Die Beschäftigung hat sich im Vergleich zu den Referenzkommunen mit einem Anstieg von 16,5 Prozent in den letzten zehn Jahren nur durchschnittlich entwickelt.

Die Kaufkraft der Krefelder liegt über dem Schnitt vergleichbarer Kommunen. Krefeld erzielt dazu einen deutlichen Kaufkraftzufluss aus anderen Regionen, wovon der Krefelder Einzelhandel profitieren sollte.

Die Gewerbesteueraufbringungskraft in Krefeld liegt mit 680 Euro je Einwohner über dem Niveau der Referenzkommunen. Dies spricht dafür, dass es vergleichsweise viele steuerstarke Unternehmen in Krefeld gibt. Die Gewerbesteueraufbringungskraft nahm dabei noch etwas stärker zu als in NRW und vergleichbaren Kommunen. Die Bruttoverschuldung ist in Krefeld insgesamt recht hoch, liegt jedoch mit rund 3.480 Euro je Einwohner unter dem Schnitt der Referenzkommunen.

Weitere Informationen, Analysen und Positionen zu den Wirtschaftsstandorten am Mittleren Niederrhein finden Sie hier.