Kempen

Philipp Kraft (CDU)

Philipp Kraft - CDU

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

  • Erschließung / Erwerb von Gewerbeflächen; Schaffung von neuem Wohnraum
    a) Gewerbeflächen Hülser Straße erschließen, Ansiedlungsprojekt Tönisberg vorantreiben
    b) Flächen von DeBeukelaer möglichst erwerben und entwickeln
    c) Wohnraum für alle Einkommensgruppen, um Arbeitskräftegewinnung zu unterstützen
  • Organisatorische Maßnahme in der Verwaltung: Zusammenführung von Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus
    Bündelung der Ressourcen um Projekte und Maßnahmen effektiver umzusetzen
  • Förderung der Vernetzung / interkommunale Zusammenarbeit
    IHK, WFG, TZN, UKK, (Hoch)Schulen – für Unternehmen und Verwaltung wertvolle Partner und Impulsgeber. Zusammen geht mehr!

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Kempen Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Nichts hat unser Jahr 2020 so geprägt, wie die Covid-19-Pandemie. Bei allen Unsicherheiten haben wir in Deutschland und auch hier in Kempen gezeigt, dass wir dieser extremen Herausforderung durch schnelles und konsequentes Handeln von Politik, Behörden, Unternehmen sowie einem starken gesellschaftlichen Zusammenhalt entgegengetreten sind. Ungeachtet dessen ist aber auch klar – das ganze Ausmaß der vor allem wirtschaftlichen Auswirkungen werden wir erst in einigen Monaten richtig bewerten können. Vieles wird davon abhängen, ob es gelingt, die (internationale) Konjunktur wieder in Schwung zu bringen und ob wir bezüglich der Zukunftstechnologien mit an der Spitze des Fortschritts stehen. Die in dieser Krisensituation maßgeblichen Unterstützungsleistungen für die Unternehmen werden durch die Bundes- und Landesprogramme abgebildet. Für Kommunen ist der Handlungsrahmen diesbezüglich rechtlich und faktisch sehr eingeschränkt. Selbstverständlich wird eine (pro-) aktive Begleitung, Informationsaufbereitung, der kontinuierliche gegenseitige Austausch und wo immer möglich Beratung bzw. praktische Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung und Ämter sichergestellt.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ist zu einem der wesentlichen Standortfaktoren geworden. Die zunehmende Digitalisierung und damit verbundenen Datenströme brauchen eine entsprechende Infrastruktur. Das ist nicht ein rein lokales, sondern ein regionales Thema. Durch die gezielte interkommunale Zusammenarbeit im und mit dem Kreis Viersen haben wir hier wichtige Fortschritte gemacht. 43 Millionen Euro an Fördermittel von Land und Bund werden derzeit aufgewendet, um sogenannte unterversorgte Adressen an das Breitband anzuschließen – davon werden 8,8 Millionen Euro in Kempen investiert, um 837 förderfähige Adressen und eine Trassenlänge von 178 Kilometern umzusetzen. Der Spatenstich für dieses wichtige regionale Infrastrukturprojekt erfolgte übrigens im Februar in Kempen. Hier sind wir also auf dem richtigen Weg. Die Pandemie hat dem digitalisierten Arbeiten sicherlich noch eine zusätzliche Dynamik verliehen. In vielen Unternehmen wurden Prozesse und Arbeitsweisen neu ausgerichtet – und auch die Schulen werden den nun eingeschlagenen Weg einer stärkeren Nutzung von digitalen Lernkonzepten mehr Gewicht verleihen. Das muss sich auch in der Verwaltung wiederspiegeln. Hier gilt es entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und die Chancen der Digitalisierung nicht zuletzt mit dem Servicegedanken gegenüber Unternehmen und Bürger/innen zu verknüpfen.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Umwelt- und insbesondere Klimaschutz sind zu Recht zentrale Themen, die auch in den Unternehmen eine immer größere Rolle spielen. Technologisch, aber auch bei der Vermarktung von Produkten werden diese Kriterien immer bedeutsamer. Die zunehmenden gesetzlichen Auflagen und Dokumentationspflichten sind aber auch gerade für kleinere und mittlere Unternehmen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Dabei ist in der öffentlichen Diskussion derzeit zu beobachten, dass der Begriff “nachhaltig“ oftmals auf das Ökologische verkürzt wird. Für mich gilt es allerdings soziale, ökologische und wirtschaftliche Argumente bei den sich stellenden Sachfragen klug abzuwägen. Bezüglich des Klimaschutzes habe ich mich daher ausdrücklich dafür eingesetzt, nicht den “Klimanotstand“ für Kempen auszurufen, sondern einen “Masterplan Klimaschutz für Kempen“ zu erarbeiten, aus dem sich sinnvolle konkrete Maßnahmen hier vor Ort ableiten. Die Zielsetzung ist, Klimaschutzmaßnahmen immer auch unter dem Blickwinkel von Aufwand und Nutzen zu bewerten und in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen. Das soll in Workshops mit wissenschaftlicher Begleitung (unter Federführung der Hochschule Düsseldorf) und unter Beteiligung der Bürgerschaft, Unternehmer, FFF, Politik und Verwaltung erfolgen. Ich stehe hier für einen pragmatischen Ansatz mit Augenmaß.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Wirtschaftsförderung bzw. der Umgang mit Unternehmen innerhalb einer Verwaltung ist in erster Linie eine Frage der Grundhaltung. Sie muss als Querschnittsthema begriffen und gelebt werden. Dazu gehört ein konstruktives Miteinander von Unternehmen, Verwaltung und Politik. Zum einen geht es um eine effektive operative Unterstützung bei konkreten Projekten, zum anderen aber auch um die strategische Ausrichtung Kempens als Wirtschaftsstandort. Als Bürgermeister werde ich persönlich aktiver Teil eines regelmäßigen Austausches sein und der Wirtschaftsförderung das notwendige Gewicht in der Verwaltung einräumen. Meine Erfahrungen als Führungskraft sowohl im Öffentlichen Dienst als auch in der Privatwirtschaft sehe ich als Mehrwert, den ich auch hier mit einbringen kann.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Die Kempener Altstadt ist für funktionierenden Einzelhandel und abwechslungsreiche Gastronomie weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nicht nur wir Kempener, sondern auch viele Gäste genießen das gemütliche Altstadtflair, gehen gerne bei unseren Einzelhändlern einkaufen, besuchen den Wochenmarkt, wissen die Gastronomie und das kulturelle Angebot zu schätzen. Unser Ansporn muss sein, diese Erfolgsgeschichte einer lebendigen Innenstadt fortzuschreiben.Der Schlüssel dafür liegt im gerade verabschiedeten, angepassten Zentrenkonzept der Stadt Kempen – dieses wird auch meine Leitschnur sein. Die zunehmende Herausforderung durch den Online- Handel ist eine der strategischen Aufgabenstellungen, die sich unabhängig davon stellt. In unseren Ortsteilen St. Hubert und Tönisberg leben die Menschen gerne, fühlen sich wohl. Das Nahversorgungangebot und die vorhandene Infrastruktur gilt es entsprechend attraktiv zu halten. Durch den intensiven Austausch mit den Werberingen in Kempen bzw. St. Hubert ist eine zeitgemäße Entwicklung verwaltungsseitig und politisch effektiv zu begleiten. Dabei ist die Einbindung von externem Sachverstand wie die IHK oder der Handelsverband wichtig. Das gilt umso mehr, da wir derzeit noch nicht wirklich abschätzen können, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie (und deren Verlauf) letztlich für unsere Unternehmen haben wird.

7. Die Unternehmen der Stadt Kempen wünschen sich eine stärkere Unterstützung seitens der Behörden, wenn es um die Organisation und Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen und Stadtfesten geht. Solche Events können die Standortqualität der Innenstadt wesentlich verbessern. Wie können die Bedingungen für die Gewerbetreibenden verbessert werden?

Stadtfeste gehören zu Kempen. Sie sind fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders, ziehen viele Menschen an, sorgen für Umsatz und tragen zweifelsohne zur Standortqualität bei. Das wird uns allen gerade jetzt, im Zuge der Corona-Pandemie und den dadurch erzwungenen Absagen besonders bewusst. Ganz aktuell: um den derzeitigen wirtschaftlichen Folgen entgegenzuwirken, sieht das Land NRW auch die Bekämpfung der Corona-Pandemie-Auswirkungen als zulässigen Sachgrund (Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemiefolgen) gemäß § 6 LÖG NRW an, um seitens der Stadt zusätzliche verkaufsoffene Sonn- oder Feiertage festsetzen zu können. Ungeachtet der coronabedingten Fragestellungen habe ich mit darauf hingewirkt, dass sich mehr Geschäfte im Stadtgebiet an den verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen können. Leider geht aus Ihrer Fragstellung nicht konkret hervor, was die Unternehmen an Unterstützungsleistungen der Behörden genau vermissen, um darauf eingehen zu können. Seitens der Stadt Kempen erfolgt die Koordinierung solcher Sachfragen maßgeblich über das Stadtmarketing, welches hier die Themen voranbringen müsste. Aus meiner Sicht ist ein wesentlicher Knackpunkt sicherlich die spürbar gestiegenen Aufwendungen für vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahmen. Inwieweit es hier noch Optimierungsmöglichkeiten gibt, ist gemeinschaftlich zu evaluieren.

8. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Kempen ist unter anderem als “Stadt der kurzen Wege“ bekannt. Fußgänger- und Fahrradverkehr spielen schon lange eine wichtige Rolle in der Verkehrskonzeption. Das wird sich fortsetzen. Folgerichtig ist mit maßgeblicher Bürgerbeteiligung ein neues Radverkehrskonzept entstanden. Ein ambitionierter Plan liegt vor und soll in den kommenden Jahren unter Berücksichtigung der Finanzlage schrittweise umgesetzt werden: Für noch mehr Freude am Radfahren bei verbesserten Sicherheitsstandards! Auch der Kreis Viersen verbessert die Radwegeachsen zwischen den Kommunen. Ergänzend dazu unterstütze ich im Grundsatz die Idee der Radschnellverbindung Venlo-Kempen- Krefeld, um Pendler zum Umstieg auf das Fahrrad zu motivieren und natürlich den Tourismus zu stärken. Besonders positiv sehe ich die Entwicklung hinsichtlich unserer Anbindung mit der Bahn. In Ergänzung zur bestehenden RE 10 (Kleve – Geldern – Kempen – Krefeld – Düsseldorf), ist für 2025 mit der Aktivierung der Regionalbahn 41 (Geldern – Kempen – Krefeld – Neuss mit Anschluss nach Köln) eine zusätzliche attraktive Streckenführung geplant. Die Park- und Abstellmöglichkeiten am Bahnhof gilt es im Zuge dessen weiter zu verbessern. Das ist ein weiterer Pluspunkt für Kempen als Wohn-  und Wirtschaftsstandort und bietet Pendlern eine zusätzliche Alternative zum Auto. Dieses Projekt werde ich mit Nachdruck unterstützen.

9. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Die Fragestellung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte – bei möglichst geringer Verkehrsbelastung für die Wohngebiete – ist auch für uns ausgesprochen relevant, pendeln doch etwa 11.000 Menschen aus anderen Kommunen zur Arbeit nach Kempen und umgekehrt. Hinzu kommt, dass Kempen gerne aus dem Umland angesteuert wird, um hier einzukaufen, Gastronomie, Schwimmbad, Kino oder Kulturveranstaltungen zu besuchen. Die Mobilität befindet sich im Umbruch – es ist aber offensichtlich, dass in unserer ländlich gelegenen Stadt auch in absehbarer Zukunft der ÖPNV bei aller wünschenswerten Weiterentwicklung nicht die Anbindungsqualitäten wie in Großstädten erreichen wird. Das ist schlichtweg nicht finanzierbar. Daher muss neben der in Kempen überdurchschnittlich guten Anbindung per Fahrrad auch die Erreichbarkeit und damit die Infrastruktur für Pkws mit zunehmend alternativen Antriebssystemen im Blick behalten werden. Generell gilt, dass Kempen die aufgeworfene Fragestellung nicht für sich allein beantworten kann. Das geht nur im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit und Kooperation mit den Verkehrsträgern des ÖPNV und unter Einbindung des Landes NRW sowie Bundes (Bahn). Daher macht es aus meiner Sicht Sinn, im Zuge eines Mobilitätskonzeptes des Kreises mit den Kommunen und Beteiligung der Wirtschaft die Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte gemeinsam zu thematisieren.

10. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für Ihre Kommune? Wie ist Ihre Meinung zu den im Regionalplan Düsseldorf ausgewiesenen Potenzialflächen nördlich des Kempener Außenrings?

Wir sind uns einig: Die Entwicklung bzw. Erschließung von Gewerbeflächen ist ein zentrales Thema – und deshalb auch auf meiner Prioritätenliste zu Beginn dieses Fragebogens aufgeführt. Die positive Ausgangslage besteht darin, dass angebotenen Gewerbeflächen in Kempen sich einer regen Nachfrage erfreuen. So sind auch die zuletzt erschlossenen Gewerbeflächen am Krefelder Weg so gut wie vergeben. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass für Neuansiedlungen oder Erweiterungsabsichten bestehender Unternehmen hier vor Ort in der Tat kaum noch ein Angebot vorhanden ist. Die Entwicklung der Fläche an der Hülser Straße gilt es daher kurzfristig umzusetzen, das Investitionsprojekt für Gewerbeansiedlung in Tönisberg tatkräftig zu unterstützen und die Flächen von DeBeukelaer möglichst in städtischen Besitz zu bekommen, um dieses Gebiet für Gewerbeansiedlungen zu überplanen. Ich setze darauf, dass DeBeukelaer hier als ein prägendes Unternehmen der letzten Jahrzehnte vor allem die damit verbundenen Perspektiven für Kempen als Wirtschaftsstandort in den Blick nimmt und damit nochmals ein wichtiges Zeichen der  Verbundenheit mit der Thomasstadt setzt. Gelingt letzteres nicht, ist zeitnah (andernfalls mittelfristig) darüber zu entscheiden, die in der Regionalplanung vorgesehenen Flächen nördlich des Kempener Außenrings zu erschließen.

11. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Kempen in den kommenden fünf Jahren?

Kempen hat insgesamt ausgesprochen gute Standortbedingungen für unsere Unternehmen – auch bestätigt durch die IHK. Mit einem Hebesatz bei der Gewerbesteuer von 440 Punkten liegt unsere Stadt dabei genau im Durchschnitt des Regierungsbezirks Düsseldorf und sogar leicht unter dem Durchschnitt des Hebesatzes in NRW. Angesichts der allgemeinen Haushaltslage und der bevorstehenden öffentlichen Investitionsprojekte in die Standortqualität von Kempen, ist es aus meiner Sicht nicht seriös, in den kommenden fünf Jahren mit einer Reduzierung des Hebesatzes durch den Stadtrat zu rechnen bzw. dieses in Aussicht zu stellen.

Christoph Dellmans (parteilos)

Christoph Dellmans - parteilos

1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Die Wirtschaftsförderung in Kempen muss aktiv gestaltet und erweitert, die wirtschaftliche Stärke für die zukünftige Weiterentwicklung Kempens ausgebaut werden. Ziel ist es „näher an der Wirtschaft“ zu sein. Ein Wirtschaftsförderungskonzept ist ein Muss. Starke Partner wie der „Unternehmerkreis Kempen“ und das „TZN“ sind einzubeziehen. Die Erarbeitung eines Wirtschaftsförderungskonzeptes muss die zukünftige  Entwicklung von Gewerbeflächen ebenso beinhalten wie konkrete Maßnahmen im Hinblick auf die Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandortes Kempen in Form eines integrierten Mobilitätskonzeptes.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Kempen Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

„Solidarität in Krisenzeiten“ – unter diesem Motto muss ein enger Austausch mit den Kempener Unternehmen stattfinden. Beraten und vermitteln sind nun seitens des Referates Wirtschaftsförderung gefragt. Steuererleichterungen durch Stundungen oder Senkung von Steuervorauszahlungen wurden bereits umgesetzt. Zudem ist das umfangreiche Konjunkturpaket des Bundes eine gute Grundlage zur Rettung der Wirtschaft. Dennoch zeigt gerade die Corona-Krise, wie wichtig der Austausch mit der Unternehmerschaft ist. Bürgermeister und Wirtschaftsförderer müssen in den kommenden Monaten eng mit der Wirtschaft kooperieren. Wo Probleme entstehen, müssen Lösungen gefunden werden. Getroffene Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene, aber auch auf kommunaler Ebene, müssen  zeitnah mitgeteilt werden, ebenso Problemstellungen aus den Wirtschaftsunternehmen. Wir müssen neue Wege denken und gehen. Die Dienstleistung der Stadtverwaltung, auch gegenüber der Wirtschaft, muss digital angepasst werden. Gerade jetzt ist ein direkter Austausch mit IHK, TZN und Wirtschaftsförderung des Kreises Viersen notwendig, um auch interkommunal Lösungswege zu finden. Kommunikation und Netzwerken – wichtiger denn je!

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Die Stadt Kempen muss den Unternehmen eine bestmögliche Infrastruktur bieten, so dass sie im wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen können. Dazu gehören der Breitbandausbau, die digitale Transformation und somit auch eine Vernetzung der Unternehmen. Notwendig ist es aber auch, die Digitalisierung im Bereich der Verwaltung voranzutreiben. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) legte 2018 elf Thesen zur Informations- und Kommunikationsinfrastruktur der Zukunft auf.  Hierbei ist zu erkennen, dass Politik und Verwaltung gefordert sind, das Zeitalter der  Digitalisierung zu eröffnen. Gemeinsam mit der Wirtschaft, aber auch mit dem Kreis Viersen, muss es uns gelingen, die Grundlagen zu schaffen, so dass der Weg zu einer „Smart City“ geebnet wird. Die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien auf kommunaler Ebene müssen auch für Kempen in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Es ist die Grundlage für eine innovative und nachhaltige Stadtentwicklung. Ich bin mir sicher, dass damit die lokale Wirtschaft gestärkt, der Bildungsweg erleichtert und das Miteinander lebenswerter wird.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Der Unternehmerschaft wird in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle im Rahmen Umweltschutz und Nachhaltigkeit zuteilwerden. Das Klimaschutzkonzept, welches der Rat der Stadt Kempen 2019 in Auftrag gegeben hat, wird ein breites Spektrum der Entwicklung einbeziehen müssen. So ist ein Grundbestandteil das Wirtschaftsförderungskonzept mit  integrierten Mobilitätskonzept und möglichen Fördermaßnahmen. Die Grundlagen müssen in der kommenden Legislaturperiode ausgearbeitet werden, nachhaltig, zukunftsorientiert und finanzierbar. Teilbereiche können sicherlich bereits im Entwicklungsprozess umgesetzt werden. Wichtig ist es, dass die Unternehmerschaft im Prozess mitgenommen wird. Eine zukunftsfähige Wirtschaft basiert auf modernen und nachhaltigen Gewerbebetrieben, auf einem zukunftsfähigen Mobilitätskonzept und vor allem aus einem Netzwerk, welches schnell auf aktuelle Anforderungen reagiert und den Nachhaltigkeitsgedanken stets im Auge behält. Die Stadt muss hier ein starker Partner der Wirtschaft sein. Aber auch eine interkommunale Zusammenarbeit muss stattfinden, unterstützt von regionalen Institutionen wie der WfG Kreis Viersen, der IHK, den Hochschulen und weiteren Protagonisten.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Mit Gründung des Unternehmerkreis Kempen (UKK) wurde seitens der Unternehmerschaft die Basis für ein Netzwerk geschaffen. Die Mitgliedschaft der Stadt Kempen im UKK war unabdingbar. So wurde die Grundlage geschaffen, ein erfolgreiches Miteinander anzustreben. Der im vergangenen Jahr eingestellte Wirtschaftsförderer muss das Bindeglied zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik sein. Neben einem Büro im Rathaus ist ein weiteres Büro im Technologie- und Gründerzentrum (TZN) einzurichten. Der Dialog zwischen Wirtschaft, Verwaltung und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Viersen muss eine nachhaltige Entwicklung des Standortes Kempen ermöglichen. In den kommenden Jahren wird es nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie von besonderer Bedeutung sein, die Unternehmerschaft zu stützen. So werden gerade jetzt verlässliche Ansprechpartner benötigt. Daher ist es wichtig, den Bereich der Wirtschaftsförderung und damit verbunden die Serviceleistungen auszubauen, sowohl personell als auch organisatorisch. Das Erfolgsmodell eines Geschäftsflächenmanagers soll erweitert werden. Neben dem Wirtschaftsförderer muss es, wie es die IHK ebenso vorschlägt, einen Gewerbegebietsmanager geben.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Geschäftsflächenmanager weiß ich um die Bedeutung des Einzelhandels in der Innenstadt. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lock-Down haben gezeigt, wie leer Innenstädte sind, wenn der Einzelhandel geschlossen hat. Die Innenstadt ist der kommunikative und soziale Mittelpunkt und muss daher stets ein Erlebnisraum für Jung und Alt sein. Eine enge Zusammenarbeit mit den Werberingen in Kempen und St. Hubert ist eine Selbstverständlichkeit. Durch die Mitgliedschaft Kempens beim „Netzwerk Innenstadt NRW“ haben wir die Möglichkeit, auf interkommunaler Ebene zusammenzuarbeiten, Projektideen aufzugreifen und vor Ort umzusetzen. Die Attraktivität der Innenstadt gegen den Online-Handel aufrecht zu erhalten, ist ein permanenter Entwicklungsprozess. Neue Ideen wie Coworking und StartUp-Unternehmen anzusiedeln, sind mit in Betracht zu ziehen. Das seit Jahren erfolgreiche Geschäftsflächenmanagement der Stadt muss weiterhin Bestand haben.                                                 Die Innenstadt Kempens muss stets als Gesamt-Destination gesehen werden: eine Kombination aus Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Freizeitangebot, Sauberkeit, Aufenthaltsqualität, Verkehrsanbindung und Stadtbild.

7. Die Unternehmen der Stadt Kempen wünschen sich eine stärkere Unterstützung seitens der Behörden, wenn es um die Organisation und Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen und Stadtfesten geht. Solche Events können die Standortqualität der Innenstadt wesentlich verbessern. Wie können die Bedingungen für die Gewerbetreibenden verbessert werden?

In Zusammenarbeit mit dem Werbering Kempen wurde eine Analyse erstellt, wie hoch der Umsatzverlust durch die Absage von Veranstaltungen und den damit verbundenen verkaufsoffenen Sonntagen im Rahmen der Corona-Pandemie zu beziffern ist. Hierbei stellte sich heraus, dass allein durch die Absage nur eines verkaufsoffenen Sonntags ca. 540.000 Euro Umsatzeinbußen im Kempener Einzelhandel zu verzeichnen sind. Diese Zahl zeigt die Wichtigkeit von verkaufsoffenen Sonntagen.                   Die Bedeutung haben Politik und Verwaltung bereits seit langem erkannt. Daher wird seitens der Verwaltung die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen und der damit verbundenen verkaufsoffenen Sonntage weiterhin unterstützt. Ebenfalls wurden das Genehmigungsverfahren und die damit verbundenen Sicherheitskonzepte in enger Abstimmung entwickelt.  Dennoch ist stets gemeinsam an Qualität und Alleinstellungsmerkmalen zu arbeiten, so dass die Veranstaltungen und verkaufsoffenen Sonntage stark frequentiert werden.                             Nur gemeinsam gelingt es, durch Events die Standortqualität hoch zu halten. Daher muss ein Vertreter der Stadt mit im Vorstand der Werberinge Kempen und St. Hubert tätig sein.

8. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Nach einer IHK-Studie hat neben den Oberzentren Krefeld, Mönchengladbach und Neuss von den übrigen Städten und Gemeinden lediglich die Stadt Kempen ein positives Pendlersaldo. Bei rund 13.500 SVP-Arbeitsplätzen pendeln rund 9.400 SVP-Beschäftigte ein, 8.800 pendeln aus. Dies zeigt die starke Bedeutung der Kempener Wirtschaft und damit verbunden die verkehrliche Anbindung. Die äußere Erschließung der Kempener Gewerbegebiete ist gut. Sowohl Lieferverkehre als auch Arbeitnehmer haben eine gute Erreichbarkeit mit LKW und PKW. Eine verbesserte Ausschilderung würde dazu beitragen, dass die innerstädtische Erschließung entlastet und vor allem der LKW-Verkehr um die Innenstadt herum gelenkt wird. Zukünftig muss der Schwerpunkt auf „nachhaltige Verkehrsformate“ gelegt werden, wie es auch die IHK bereits in den Fokus gezogen hat. Das ÖPNV-Netz muss erweitert werden, die Regionalbahn zuverlässiger. So wird dem ökologischen Umstieg und dem Klimawandel Rechnung getragen wird. Car-Sharing, der Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität und ein Stadtbus sind weitere Bausteine, die kommunale Verkehrsinfrastruktur zu verbessern.

9. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Die Erarbeitung eines Wirtschaftsförderungskonzeptes muss die zukünftige  Entwicklung der Wirtschaft in Kempen sichern. Im Hinblick auf die Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandortes Kempen muss im Rahmen des Wirtschaftsförderungskonzeptes ein integriertes Mobilitätskonzeptes erarbeitet werden. Kempen ist in der glücklichen Lage, verkehrsgünstig an Autobahnen zu liegen und einen Bahnanschluss zu haben. Damit sind die Grundvoraussetzungen für eine gute verkehrliche Infrastruktur geschaffen. Allerdings muss aufgrund der Klimaschutzziele von Land, Bund und EU die alternative Mobilität mit in den Fokus genommen werden. Bei der Erstellung eines Mobilitätskonzeptes muss daher der Ausbau und die Flexibilität des ÖPNV genauso im Mittelpunkt stehen, wie Sharing-Systeme im Bereich PKW und Fahrrad. Inwieweit ein von mir favorisierter Stadtbus mit in die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in den Gewerbegebieten Kempens einbezogen wird, ist zu prüfen. Vor allem aber muss bei der Mobilitätsplanung in den Gewerbegebieten die Unternehmerschaft mit in die Entwicklung einbezogen werden, so dass die Planungen nicht am Bedarf vorbei entwickelt werden. 

10. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für Ihre Kommune? Wie ist Ihre Meinung zu den im Regionalplan Düsseldorf ausgewiesenen Potenzialflächen nördlich des Kempener Außenrings?

Im Rahmen eines Wirtschaftsförderungskonzeptes muss die Entwicklung und  Zukunft der Gewerbeansiedlungspolitik in Kempen zielorientiert fortgeschrieben werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die wichtigste Einnahmequelle der Stadt die Gewerbesteuern sind. Die Ausweisung und Erschließung von Gewerbeflächen trägt zur Entwicklung der Stadt bei. Vorhandene Flächenpotenziale in Form von Freiflächen und Leerständen im ausgewiesenen Gewerbegebiet müssen einer optimalen Nutzung zugeführt werden. Mögliche Erweiterungen können etwa durch Aufstockung vorhandener Gebäude lösungsorientiert geplant werden. Das de Beukelaer-Gelände muss der Stadt frei von Bauten zurückübertragen werden. Mit der Planung von Betriebswohnungen und Betriebskita seitens der Stadt kann das verbleibende Grundstück zu Erweiterungs- oder Neuansiedlungszwecken verkauft werden. Die Ausweisung und Erschließung neuer Gewerbeflächen und damit verbunden die Berücksichtigung der Ansiedlung neuer Technologien, Förderung von Kooperationen in Wertschöpfungsketten und möglichen Vernetzungsstrategien müssen im Fokus stehen. So ist auch die ausgewiesene Potenzialfläche nördlich des Kempener Außenrings eine Möglichkeit der Zukunft.

11. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Kempen in den kommenden fünf Jahren?

Kempen hat in den vergangenen Jahren Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer erzielt. Mit einem aktuellen Hebesatz von 440 %, der seit dem Jahre 2013 nicht verändert wurde, lag die geplante Einnahme für 2020 bei 24,5 Millionen Euro. In all den Jahren war die Gewerbesteuer die wichtigste, gleichzeitig aber auch die unsicherste Einnahmequelle der Stadt. Der Haushalt wird auf dieser Grundlage aufgebaut. Dies zeigt, dass Politik und Verwaltung darauf bauen, das Kempen eine wirtschaftsstarke Stadt ist. Eine starke Wirtschaft sorgt u.a. dafür, dass Kempen attraktiv ist. Infrastrukturelle Ausgaben können mit den Einnahmen aus der Gewerbesteuer finanziert, Schulden abgebaut werden. Wie sich die Gewerbesteuer in den kommenden Jahren entwickelt, muss beobachtet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie sinken die Umsätze bei der Unternehmerschaft, somit sinken auch die Steuereinnahmen. Sobald die Wirtschaftskrise überwunden ist, müssen Überlegungen stattfinden, wie eine Senkung der Gewerbesteuer über mehrere Jahre möglich ist, so dass Kempen weiterhin ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt. Hier gebe ich der IHK Recht – “Nicht jede Konjunkturkrise darf eine Steuererhöhungswelle nach sich ziehen.“

Kurzprofil des Standortes

In den letzten zehn Jahren ist die Arbeitslosenquote in der Stadt Kempen um 2,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote in Kempen liegt damit
ein gutes Stück unter der in NRW (6,5 Prozent). Die Arbeitslosenzahlen sind damit um insgesamt rund 30 Prozent gesunken. Das Beschäftigungswachstum fiel in den letzten zehn Jahren etwas besser aus als in NRW und den Vergleichskommunen Die Zahl der Beschäftigten stieg um 22 Prozent auf rund 13.850.

Kempen ist wohlhabender als die meisten Vergleichskommunen. Dies zeigt sich in einer relativ hohen Kaufkraft der Kempener. Jedoch kann der lokale Einzelhandel von dieser Kaufkraft nicht profitieren, da diese in umliegende Kommunen abfließt.

Die Gewerbesteueraufbringungskraft ist geringer als in den Vergleichskommunen. Sie liegt bei rund 780 Euro je Einwohner. Im Vergleich siedeln in Kempen also weniger steuerstarke Unternehmen. Die Gewerbesteueraufbringungskraft ist in den letzten Jahren ebenfalls weniger stark gewachsen als in den vergleichbaren Kommunen. Die Bruttoschulden sind jedoch mit rund 1.010 Euro je Einwohner im kommunalen und Landesvergleich ebenfalls gering.

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