Kaarst

Lars Christoph (CDU)

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1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

Die örtliche Wirtschaft muss in der Stadtverwaltung einen kompetenten und lösungsorientierten Partner finden. Hierfür ist es erforderlich, dass einerseits die Abläufe so strukturiert werden, dass schnelle Entscheidungsprozesse greifen. Andererseits muss eine Haltung etabliert werden, die die Verwaltung als Ermöglichungsbehörde sieht. Zweiter Punkt ist die Entwicklung der Gewerbegebiete Kaarst-Ost und Kaarster Kreuz, um neben Ansiedlungsmöglichkeiten für neue Gewerbebetriebe auch Entwicklungsperspektiven für bereits in Kaarst ansässige Unternehmen schaffen zu können. Und drittens muss die Steuer- und Abgabenlast auch in der Zukunft auf niedrigem Niveau stabil gehalten werden.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Kaarst Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft werden wahrscheinlich erst in den kommenden Monaten voll sichtbar werden. Es muss das gemeinsame Ziel sein, eine zweite Welle, die einen erneuten Lockdown erforderlich machen würde, bestmöglich zu vermeiden. Denn die Folgen für die Wirtschaft wären fatal. Auf kommunaler Ebene haben wir versucht, der Wirtschaft durch Stundungsmaßnahmen und ähnlichem zu helfen. Der Gastronomie wurde die Terrassengebühr erlassen und Vergrößerungen der Außengastronomie wurden unbürokratisch ermöglicht. Hier muss geprüft werden, welche dieser Maßnahmen zur weiteren Unterstützung fortgesetzt werden können. Ich halte es zudem für geboten, die Investitionstätigkeit unserer Stadt auf hohem Niveau zu halten. Die solide Finanzpolitik zurückliegender Jahre, die zu einer gut gefüllten Ausgleichsrücklage geführt hat, versetzt uns in die Lage, dies tun zu können. Wichtig ist dabei, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, dass auch örtliche Unternehmen – natürlich unter Beachtung des Vergaberechtes – bei öffentlichen Aufträgen der Stadt zum Zuge kommen können.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Eine zeitgemäße Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ist unerlässlich für die vor Ort ansässigen Unternehmen, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger insgesamt. Eine flächendeckende Breitbandversorgung muss daher sehr zeitnah ungesetzt werden. Wir sind hier an mehreren Stellen auf einem guten Weg, etwa durch den geplanten Ausbau der Deutschen Glasfaser in Driesch und Vorst. Verbleibende „weiße Flecken“ müssen geschlossen werden. Hierzu muss die Verwaltung aktiv auf einen Ausbau bei den entsprechenden Unternehmen hinwirken.

Darüber hinaus muss bereits jetzt der 5G-Ausbau in den Blick genommen werden. Bei der Umsetzung dieser Zukunftstechnologie möchte ich Kaarst an der Spitze der Entwicklung positionieren, denn ich bin überzeugt davon, dass wir die sich hieraus bietenden Chancen mutig ergreifen sollten.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind in der Tat wichtige Ziele, denen sich die Kommunalpolitik auch zukünftig stellen muss. Das im letzten Jahr beschlossene Klimaschutzkonzept muss daher konsequent umgesetzt und bedarfsorientiert fortgeschrieben werden. Wichtig ist mir, dass wir eine gesunde Balance von Ökologie und Ökonomie schaffen. Nicht ideologische Rezepte sind gefragt, sondern technologischer Fortschritt muss gefördert werden. Denn nur durch Forschung und Entwicklung werden wir nachhaltig auch den Umwelt- und Klimaschutz verbessern.

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Die örtliche Wirtschaft muss in der Stadtverwaltung einen kompetenten und lösungsorientierten Partner finden. Dazu möchte ich die Arbeit einer aufsuchenden Wirtschaftsförderung weiter ausbauen. Die Unternehmen vor Ort müssen wissen, wer ihre Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung sind und von diesen dann bei anstehenden Herausforderungen kompetent begleitet werden. Wichtig ist es zudem, dass die Abläufe so strukturiert werden, dass schnelle Entscheidungsprozesse greifen. Darüber hinaus muss innerhalb der Verwaltung eine Haltung etabliert und ausgebaut werden, die die Verwaltung als Ermöglichungsbehörde sieht. Das bedeutet: Es sollen kreative Wege gesucht werden, um Entwicklungen zu befördern, nicht Argumente, die Innovationen unterbinden. Ich strebe in diesem Zusammenhang an, die Verwaltung als mittelstandsfreundliche Verwaltung zu zertifizieren – wie dies der Rhein-Kreis Neuss bereits seit einigen Jahren ist.

Zudem müssen wir die Chancen der Digitalisierung auch innerhalb der Verwaltung ergreifen und eine möglichst digitale Antragsberatung etablieren. Dadurch können Prozesse gestrafft und Entscheidungen beschleunigt werden.

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Für die Stadtmitte Kaarst haben wir das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept Stadtmitte (IEHK) beschlossen, das nun Schritt für Schritt umgesetzt werden muss. Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität sind hier u.a. auch eine Erweiterung des Stadtparkes und ein professionelles Citymanagement enthalten, das die ISG bei ihren Aktivitäten begleiten und unterstützen soll. Die Fläche gegenüber dem Rathaus soll baulich entwickelt werden. Hier sollen auch weitere Geschäftslokale etabliert werden, die den Branchenmix in der Innenstadt weiter abrunden.

Auch unsere anderen Ortsteilzentren möchte ich weiter stärken. So gilt es für die Ortsmitte Büttgen die im Rahmen des entsprechenden Rahmenkonzeptes vorgesehenen Maßnahmen engagiert umzusetzen. Die Umgestaltung der Bahnstraße gehört hierzu ebenso wie die Optimierung der Straße „Rathausplatz“ und die Verbesserung der Wegeverbindungen vom Berliner Platz bis zum und über den Rathausplatz.

Generell möchte ich mit den örtlichen Werbegemeinschaften eng zusammenarbeiten und deren wertvolle Aktivitäten bestmöglich unterstützen. Wir haben hierzu z.B. beantragt und beschlossen, dass die Stromversorgung auf dem Rathausplatz in Büttgen und dem Lindenplatz in Holzbüttgen durch Elektranten verbessert werden, damit die Durchführung diverser Festlichkeiten, die die zentralen Bereiche beleben, erleichtert wird.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Im Rahmen des in Aufstellung befindlichen Mobilitätskonzeptes muss geprüft werden, wie die Mobilitätsmöglichkeiten der Bevölkerung insgesamt verbessert werden können. Dies gilt für einen besseren Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer, also von Fußgängern und Radfahrern, ebenso wie für einen weiteren Ausbau des ÖPNV. So muss eine entsprechende, bereits durchgeplante Busanbindung des neuen Gewerbegebietes Kaarster Kreuz umgesetzt werden. Wichtig ist mir zudem, den Ausbau der Regiobahn Richtung Westen, also nach Viersen und perspektivisch Venlo, voranzutreiben. Aber auch für den motorisierten Individualverkehr müssen ausreichende Stellplätze, gerade in den Innenstadtbereichen, vorhanden sein. Für die Stadtmitte muss daher betrachtet werden, an welchen Stellen das bestehende Stellplatzangebot ausgebaut werden kann.

Wichtig ist mir, dass wir uns auch für neue Formen der Mobilität öffnen und die sich hieraus ergebenden Chancen engagiert ergreifen. So kann ich mir perspektivisch sehr gut autonom fahrende Busse vorstellen, die gerade die ÖPNV-Anbindung bisher unterversorgter Bereiche deutlich verbessern können.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Siehe Beantwortung Frage 7

 

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für die Stadt Kaarst und wie sehen Ihre Pläne zum Gewerbegebiet Kaarst-Ost aus?

Für die Stadt Kaarst stellen die beiden Gewerbegebiete Kaarst-Ost, hier vor allem der IKEA-Altstandort, und Kaarster Kreuz bedeutende Entwicklungspotentiale dar. Für den IKEA-Altstandort ist ein städtebaulicher Masterplan verabschiedet worden, der den Rahmen für die zukünftige Entwicklung setzt. Hier soll eine hochwertige gewerbliche Entwicklung vorgenommen werden. Von der Entwicklung auf dem IKEA-Altstandort verspreche ich mir zudem positive Ausstrahlungseffekte auf das gesamte Gewerbegebiet Kaarst-Ost. Hierbei kann auf die Ergebnisse aufgesetzt werden, die der vor zwei Jahren durchgeführte städtebauliche Ideenwettbewerb geliefert hat. Deshalb ist es auch wichtig, dass zeitnah mit der Umgestaltung der öffentlichen Flächen an der Girmes-Kreuz-Straße begonnen wird.

Im Bereich „Kaarster Kreuz“, also westlich des neuen IKEA-Hauses, soll ein nachhaltiges Gewerbegebiet entwickelt werden. Dabei bezieht sich die Frage der Nachhaltigkeit nicht nur auf ökologische, sondern auch auf soziale und wirtschaftliche Aspekte. Neben einer zentralen Energieversorgung ist daher etwa auch ein zentraler Betriebskindergarten vorgesehen. Hier sollen zudem auch Flächen für kleinere Betriebe, etwa in einem Handwerkerhof, angeboten werden.

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Kaarst in den kommenden fünf Jahren?

Die Steuersätze in Kaarst sind vergleichsweise gering. Noch im Jahr 2020 ist der Hebesatz der Gewerbesteuer um 5 Punkte gesenkt worden. Zudem hat Kaarst eine äußerst geringe Abgabenbelastung. Mein Ziel ist es, das niedrige Niveau bei Steuern und Abgaben auch zukünftig zu halten.

Ursula Baum (FDP)

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1. Welche drei wirtschaftspolitischen Maßnahmen möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode auf jeden Fall umsetzen? (max. 600 Zeichen!)

1. Wirtschaftsförderung bedeutet kümmern, schnelle Termine, digitale Abwicklung und „Türen öffnen“, nachhaken und ansprechbar sein.
2. Schnellstmögliche Vermarktung des alten IKEA Geländes mit Sicht auf ein nachhaltiges Konzept.
3. Regelmäßige Unternehmertreffen, welche mit aktuellen Vorträgen Kaarster Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenbringt. Netzwerken um 6.30 Uhr morgens, so dass alle um 7.45 Uhr bei der Arbeit sein können. Manchmal liegt die Lösung von Problemen nämlich direkt vor der Tür.

2. Das Corona-Virus hat auch die lokale Wirtschaft vor schwerwiegende Herausforderungen gestellt und wird die neugewählten Vertreter besonders zu Beginn der nächsten Wahlperiode noch beschäftigen. Wie kann die Stadt Kaarst Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterstützen?

Wir müssen schnell und detailliert herausfinden, wo und wie geholfen werden muss. Das gilt speziell für den Wiederaufbau der besonders leidenden Unternehmen. Ich denke hier sowohl an die vielen Gastronomen, aber genauso an die Einzelhändler sowie die Kleinkünstler, die ja auch seit Monaten keine Aufträge mehr haben und bereits sehr kreativ waren. Gemeinsam mit der Kaarster Wirtschaftsförderung und unserem neuen Leiter, Axel Süßbrich, werden wir hier Konzepte erarbeiten, Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln anbieten und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, gemeinsam mit den Unternehmerinnen und Unternehmern die Wiederaufnahme unter Berücksichtigung der gültigen Coronaschutzverordnung möglichst reibungslos zu bewerkstelligen. Nicht nur die Kaarster Unternehmer, auch die Kaarster Bürgerinnen und Bürger sehnen sich nach einem funktionierenden Unternehmertum, denn nur so wird das Kaarst, das wir kennen, wieder zu dem Kaarst, das wir lieben und kannten. Es ist enorm wichtig, dass die Betroffenen mit uns reden, wir ihnen eine Möglichkeit geben, ihre Probleme und Sorgen loszuwerden um dann schnelle Lösungen zu erarbeiten.

3. Die Unternehmen am Mittleren Niederrhein kritisieren die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Was planen Sie, um die Situation zu verbessern?

Mein klares Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Stadt und Unternehmen, aber auch zwischen den Unternehmerinnen und Unternehmern deutlich zu intensivieren. Ich werde ein Unternehmernetzwerk aus der Wirtschaftsförderung heraus schaffen. Hierbei werde ich alle bisher in diesem Bereich schon tätigen Unternehmer mit einbeziehen. Ein Runder Tisch für Unternehmer, der allen die Chance bietet sich einzubringen, denn in Kaarst fehlt es an der einen Kommunikationsinfrastruktur. Wer ist denn konkret für welches Unternehmen und für welches Thema zuständig? Die Kaarster Unternehmen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, konnten mir hierzu keine Auskunft geben.

4. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Auch Unternehmen werden durch diese Entwicklungen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Wie kann die Kommunalpolitik die lokale Wirtschaft dabei unterstützen?

Hier gilt es zunächst Aufklärungsarbeit zu leisten. Was ist möglich? Was wird wie gefördert? Wie können erste Schritte aussehen, um das eigene Unternehmen nachhaltig und energieeffizient aufzustellen? Die Unternehmerinnen und Unternehmer müssen schnell, unkompliziert und einfach über Möglichkeiten informiert werden. Neben den Unternehmertreffs ist es doch heute sehr einfach, Informationen elektronisch weiterzugeben. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Kaarst möchte ich darüberhinaus Möglichkeiten aufzeigen, wie sich die Kaarster Unternehmen mehr in das Stadtbild und die Infrastruktur integrieren können. Welche Auswirkungen hat es zum Beispiel, wenn auf dem Firmengelände kostenlose Elektrotankstellen für EBikes aufgestellt werden, bspw. für die Sichtbarkeit des Unternehmens? Gleiches gilt für Fahrradunternehmenprogramme – wer kennt diese schon? Welche Vorteile hat es für ein Unternehmen, Solarpannel oder eine Grünfläche auf dem Dach zu installieren? Ebenso ist das Thema „Digitalisierung“ ein wichtiger Baustein für das Erreichen der Umweltziele.
„Lasst uns gemeinsam die CO2 Ziele der Stadt erreichen!“

5. Die Umfragen der IHK zeigen regelmäßig, wie wichtig die Qualität der kommunalen Leistungen für die Unternehmen ist. Was planen Sie, um die Verwaltung wirtschaftsfreundlicher zu gestalten?

Wir müssen weg von starren Öffnungs- und Sprechzeiten! Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Wirtschaftsförderung müssen dann ansprechbar sein, wenn Unternehmen tätig sind und Ansprechpartner brauchen. Dazu gehören auch Wochenenden und Abendstunden. Wir müssen da sein, wenn man uns braucht! Da, wo Unternehmen zusammentreffen, muss die Wirtschaftsförderung sein. Darüberhinaus brauchen wir feste Ansprechpartner für jedes Unternehmen, so dass jeder einen schnellen Draht zur Stadt hat. Dann wird die Stadt wieder wahrgenommen und dann kann es heißen: „Unsere Stadt, unsere Wirtschaftsförderung, die sind klasse!“ Das ist mein Wunsch, das sollen die Kaarster Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Legislaturperiode sagen!

6. Der Einzelhandel ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er spielt darüber hinaus auch als weicher Standortfaktor eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie, um eine Attraktivitätssteigerung der Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen?

Ich bin mir bewusst, dass dieses Thema ein äußerst wichtiges ist; für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt, aber auch für die Lebensqualität. Wir können nicht die Augen verschließen vor der immensen Konkurrenz, die es durch den Onlinehandel gibt. Sonst werden wir ein ähnliches Schicksal erleiden wie beispielsweise unsere Freunde aus Neuss, deren Innenstadt ja gerade erst mit der Schließung des Kaufhofs zu kämpfen hat.
Da wir aber das Internet nicht abstellen wollen und können, müssen wir dem Einzelhandel helfen, attraktiver zu werden und vielleicht sogar das Internet zu nutzen, um das eigene Geschäft ausbauen zu können oder das Internet als unterstützendes Medium zu nutzen. Auch hier gibt es staatliche Förderungen, die abgerufen werden können. Außerdem ist es mit dem derzeitigen Verkehrsnetz nicht optimal in die Stadt zu gelangen. Der ÖPNV ist momentan kein zuverlässiger Partner, mit dem Auto ist es schwer einen Parkplatz zu finden und die Radwege bedürfen einer Sanierung. Entsprechend ist es mein Ziel, den Weg in die Stadt einfacher und attraktiver zu machen. Das kann mit einem breiten E-Mobilitätskonzept erreicht werden.

7. Durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die kommunale Verkehrsinfrastruktur verbessern?

Der ÖPNV muss so verbessert werden, dass jedem die Nutzung offensteht und die Alternative ÖPNV auch wirklich nutzbar ist. Zurzeit ist der ÖPNV KEINE Alternative zum Auto, speziell für Menschen, die weiter wegarbeiten und pünktlich kommen müssen. Deswegen werde ich in Gesprächen dafür Sorge tragen, dass wir eine Zuverlässigkeit und kürzere Taktung zu Stoßzeiten bei Bus und Bahn erreichen. Ein weiteres Ziel ist, alternative Fortbewegungsmittel und Antriebsarten in den Fokus zu rücken. So werde ich mich dafür einsetzen, dass Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrrädern und Elektroautos in jedem Stadtteil die Möglichkeit bekommen, ihr Fahrzeug kostenlos aufzuladen. Dies kann u.a. durch autarke Solartankstellen bewerkstelligt werden. Eine Entlastung des Verkehrsaufkommens werden wir nur dann erreichen, wenn die Verkehrsteilnehmer nicht nach der Hinreise ohne passende Rückreisemöglichkeit dastehen. Erst dann werden wir sowohl überfüllte Straßen als auch Busse vermeiden können. Erst dann werden alle über alternative Fortbewegungsmittel nachdenken. Das Verkehrskonzept muss lückenlos sein.

8. Wo legen Sie Schwerpunkte bei der Sicherung der Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte? Sehen Sie die Notwendigkeit für ein Mobilitätskonzept?

Die Stadt Kaarst arbeitet an ihrem Mobilitätskonzept. Hier bin ich auch jetzt schon aktiv. Die S8 funktioniert nicht richtig – zu voll, verspätet, fällt aus, zu wenig Türen zum Ein- und Aussteigen. Die Menschen nutzen den ÖPNV nur, wenn er funktioniert und zuverlässig ist, ansonsten ist er keine Alternative. Gleiches gilt für den Radverkehr. Hier muss ein verstärkter Augenmerk darauf liegen. Bei „alten“ Straßen sehr schwierig weil sie oft zu eng sind, um sie um Nachhinein zu ändern und nur EInbahnstrassen zu machen, führt nicht zur Zufriedenheit der Bürger, aber bei jedem neuen Projekt sind die Belange aller Verkehrsteilnehmer gleichwertig zu berücksichtigen.

9. Viele Unternehmen, die sich am Niederrhein ansiedeln oder vergrößern möchten, beklagen sich über einen Mangel an Gewerbeflächen. Die regionale Wirtschaft fordert daher eine verstärkte Ausweisung von Gewerbegebieten. Welche Vorschläge zur Ausweisung von Gewerbeflächen haben Sie für die Stadt Kaarst und wie sehen Ihre Pläne zum Gewerbegebiet Kaarst-Ost aus?

In Kaarst haben wir keinen Mangel an Gewerbeflächen, wir haben einen Mangel in der Vermarktung. Diesen werde ich mit aller Kraft angehen und Firmen für Kaarst gewinnen – vorzugsweise nur solche, die ihre Gewerbesteuer in Kaarst auch wirklich zahlen.

10. Das Niveau der Steuerhebesätze am Mittleren Niederrhein ist vergleichsweise hoch. Das schwächt die Standortqualität der Region. Sehen Sie Potenzial für Senkungen der Realsteuersätze in Kaarst in den kommenden fünf Jahren?

Die FDP in Kaarst hat auch auf mein Hinarbeiten daran, die Gewerbesteuer schon gesenkt. Wir sind also auf einem guten Weg. Klar ist, wenn wir Unternehmen behalten wollen, müssen wir auch dort immer einen guten Mittelweg finden, ansonsten gehen Unternehmen aus Kaarst weg und das gilt es zu verhindern. Allerdings ist auch klar, dass wir Steuereinnahmen für Kaarst generieren müssen, es ist also ein Geben und Nehmen und ein Miteinander. Ich schätze die Kaarster Unternehmerinnen und Unternehmer ab so ein, dass sie dieses Miteinander erkennen, denn anders geht es nicht.

Kurzprofil des Standortes

Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Kaarst zeigt einen Rückgang um 1,3 Prozentpunkte innerhalb der letzten zehn Jahre. Damit liegt die Arbeitslosenquote mit 4 Prozent deutlich unter der NRWs (6,5 Prozent). Die absoluten Arbeitslosenzahlen gingen
damit um rund 20 Prozent zurück, was vergleichbar mit der Entwicklung in den Referenzkommunen ist. Die Beschäftigung ist im selben Zeitraum um 23 Prozent auf rund 9.070 Beschäftigte gestiegen. Dieser Anstieg liegt jedoch unter dem Schnitt der vergleichbaren Referenzkommunen.

Die Kaufkraft in Kaarst liegt deutlich oberhalb des Niveaus der Referenzkommunen. Kaarst gelingt es dabei sogar, einen Kaufkraftzufluss aus dem Umland zu generieren, wovon der lokale Einzelhandel profitieren sollte.

Eine überdurchschnittliche Gewerbesteueraufbringungskraft von 757 Euro je Einwohner weist auf eine vergleichsweise steuerstarke örtliche Wirtschaft hin. Diese konnte in den letzten Jahren wesentlich stärker zunehmen als in NRW und den Vergleichskommunen. Kaarst weist dabei mit rund 380 Euro je Einwohner im kommunalen Vergleich wesentlich geringere Bruttoschuldenstände aus.

Weitere Informationen, Analysen und Positionen zu den Wirtschaftsstandorten am Mittleren Niederrhein finden Sie hier.